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Freitag, 21. Februar 2014

Nebenwirkungen des Fernsehens

Fernsehen schädigt in der Entwicklung befindliche Hirnstrukturen

Fernsehen schädigt in der Entwicklung befindliche Hirnstrukturen
(Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa)

Das Fernsehen hat eine hypnotische Wirkung, nicht wahr? Nicht selten finden wir uns energielos auf dem Sofa wieder und sind so gefesselt von der laufenden Sendung, dass wir uns Mühe geben müssen, unseren natürlichen Bedürfnissen nachzukommen. Die sehr bunten und sich in ständiger Bewegung befindlichen Bilder nehmen unsere ganze Aufmerksamkeit ein - das gilt sowohl für Erwachsene als insbesondere auch für Kinder.

Frage nach den Auswirkungen des Fernsehens

Aber welche Auswirkungen haben diese Stunden vor dem Fernseher in unserer Kindheit?

Während zahlreiche Studien die schädlichen Auswirkungen des Fernsehens auf die Entwicklung bestimmter kognitiver Fähigkeiten, insbesondere der verbalen Fähigkeiten, bereits nachgewiesen haben, hat sich ein japanisches Team mit den Folgen für die sich in der Entwicklung befindliche Hirnstruktur beschäftigt.

Studie

Die Wissenschaftler haben das Volumen der grauen und weißen Hirnsubstanz in bestimmten Regionen des Gehirns bei 276 Jungen und Mädchen im Alter von 5 bis 18 Jahren gemessen. Anschließend haben sie nach einer bestehenden Korrelation zwischen den aufgedeckten Volumina und der vor dem Fernsehen verbrachten Zeit gesucht. Die strukturellen Veränderungen im Laufe der Entwicklung wurden ebenfalls unter Beobachtung der Gehirne derselben Kinder in unterschiedlichen Entwicklungsstadien untersucht.

Ergebnisse

Die Wissenschaftler sind dabei auf eine Verdichtung in verschiedenen Hirnregionen gestoßen, insbesondere beim präfrontalen Cortex, der im Zusammenhang mit bestimmten intellektuellen Fähigkeiten steht (Handlungs­planung und Bewältigung mehrerer Aufgaben). Allerdings scheint diese Verdichtung nicht mit einer Verbesserung dieser Hirnleistungen verknüpft zu sein. Im Gegenteil nehmen einige kortikale Regionen im Laufe der normalen Entwicklung (von der frühen Kindheit bis zum Erwachsenenalter) ab.

Die japanischen Wissenschaftler haben zudem die negative Korrelation zwischen der vor dem Fernsehen verbrachten Zeit und der verbalen Intelligenz bestätigt und die Schlussfolgerung aufgestellt, dass die festgestellten strukturellen Veränderungen dank dieser Studie mit den bekannten Defiziten im Bereich kognitiver und emotionaler Fähigkeiten von Kindern, die zu viel Zeit vor dem Fernsehen verbringen, in Verbindung gebracht werden könnte. - (Zusammenfassung der Studienergebnisse)

Quelle: Takeuchi H. et al. (2013). The Impact of Television Viewing on Brain Structures: Cross-Sectional and Longitudinal Analyses. Cereb. Cortex. 2013. doi: 10.1093/cercor/bht315
PDF "The Impact of Television Viewing on Brain Structures: Cross-Sectional and Longitudinal Analyses"


Dieser Artikel wurde von HappyNeuron.de veröffentlicht und ist unter http://www.happyneuron.de/wissenschaftliche-themen/nebenwirkungen-des-fernsehens abrufbar.

Mittwoch, 29. Januar 2014

Lernen im Schlaf

Schlafmützen lernen besser!

Schlaf fördert das Gedächtnis
(Foto: Alexandra H./pixelio.de)

Allgemein bekannt war bislang, dass Schlafen unser Gedächtnis unter­stützt. Daher hat man durchaus einen merkbaren Erfolg, wenn man kurz vor dem Zu-Bett-Gehen Lern­inhalte wie etwa ein Gedicht wiederholt.

Experimente

Experimente der Universität Tübingen zeigten jedoch, dass nicht alle Gedächtnisinhalte im Schlaf in den Langzeitspeicher übertragen werden. Während des Tages werden im Hippocampus zunächst die meisten Informationen (Lerninhalte und Erlebnisse) gesammelt. Erst im Tiefschlaf entscheidet dann unser Gehirn, welche Inhalte in den Langzeitspeicher kommen und welche nicht. Die Aufgabe des Langzeitspeichers übernimmt dabei der Neocortex. Das ist zu 90% der stammesgeschichtlich jüngste Teil unserer Großhirnrinde.

Für die Übertragung der im Zwischenspeicher abgelegten Informationen muss unser Gehirn vorübergehend stillgelegt werden. Im Wachzustand würde es zu Verwirrungen kommen. Man geht davon aus, dass wir dann halluzinieren. Diesen Übertragungsprozess kann man ausschließlich in der Phase des Tiefschlafs beobachten und hat daher nichts mit dem Phänomen des Träumens zu tun. Unsere Träume entstehen in der REM-Phase.

Emotionen und Belohnung sind entscheidend

Welche Informationen vom Zwischenspeicher (Hippocampus) in den Langzeitspeicher (Neocortex) während des Tiefschlafs übertragen werden, hängt zum Großteil davon ab, welche Emotionen daran beteiligt sind. Informationen, die mit Wut, Angst oder Lust verknüpft sind werden bevorzugt übernommen. Außerdem konnte man feststellen, dass eine Aussicht auf Belohnung besonders effektiv ist, wenn Gedächtnisinhalte im Schlaf verfestigt werden sollen.

Dies konnte Prof. Born und sein Team der Universität Tübingen mit einem Versuch nachweisen: Ähnlich wie beim Klavierspielen sollten Versuchspersonen zwei Fingerabläufe (Sequenz 1 und Sequenz 2) einüben. Außerdem versprach man den Probanden, dass sie viel Geld bekommen, wenn sie Sequenz 1 besonders gut können. Am nächsten Morgen nahm man das Versprechen wieder zurück, damit die Testpersonen sich nicht bei Sequenz 1 mehr anstrengten als bei der Sequenz 2. Am Ende konnten sie Sequenz 1 besser als Sequenz 2. Das heißt nicht generell, dass man mit Geld und Geschenken gute Schulnoten belohnen sollte. Lob und Anerkennung funktionieren als Belohnung genauso gut.

Lösen von Problemen

Der Schlaf hat zusätzlich noch positive Effekte beim Lösen von Problemen. Wenn man sich mit einer schwierigen Aufgabe tagsüber beschäftigt und zu keiner Lösung kommt, kann es sein, dass man am nächsten Tag kurz vor der Lösung des Problems steht. Im Schlaf werden nämlich Teile des Problems vom Hippocampus in den Neocortex übertragen. Dort verbindet sich dann das Problem mit bereits abgelegten Informationen. Dies bietet uns dann eine neue Perspektive des Problems. Man kann sagen, dass der Schlaf unsere Gedanken neu strukturiert.

Fazit

  • Verbinden Sie Lerninhalte mit Emotionen (Emotionen sind der Merkturbo).
  • Wiederholen Sie kurz vor dem Schlafen das Gelernte oder Ihr Problem.
  • Sorgen Sie für ausreichend Schlaf.
  • Lassen sie sich belohnen, oder belohnen sie sich selbst.

Quelle: Spiegel Online: "Wie man Schlaf gezielt einsetzen kann"

Dieser Artikel wurde von Helmut Lange veröffentlicht und ist unter http://www.langewissen.de/lernen-im-schlaf_273.html abrufbar.

Freitag, 10. Januar 2014

Gut für das Gehirn: Fotografieren und Nähen

Intellektuell stimulierende Aktivitäten verbessern die Gehirnfunktionen

Gut für das Gehirn: Fotografieren und Nähen
(Foto: Corbis)

Sich neuen mentalen Herausforderungen zu stellen, wirkt sich positiv auf die Gehirnfunktionen bei über 60-Jährigen aus. Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher um die Neurowissenschaftlerin Dr. Denise Park der University of Dallas in Texas, deren Studie in der Fachzeitschrift "Psychological Science" veröffentlicht wurde.

Studie

Die Studie wurde im Rahmen des Projekts "Synapse" durchgeführt und hatte zum Ziel, die Auswirkungen verschiedener Bedingungen auf die kognitive Gesundheit von Personen im Alter zwischen 60 und 90 Jahren zu messen. Hierzu wurden die Studienteilnehmer in verschiedene Gruppen aufgeteilt.

Die drei ersten Gruppen beschäftigten sich mit kognitiv anspruchsvollen Aktivitäten: Eine der Gruppen widmete sich der Digitalfotografie, bei der (durch verbale Anweisungen) das Erinnerungsvermögen und die logische Denkfähigkeit bei der Verwendung der Geräte und einer entsprechenden Bildbearbeitungssoftware beansprucht werden. Eine andere Gruppe beschäftigte sich mit computergestütztem Nähen. Bei dieser Aktivität werden das Bildgedächtnis (für das Gestalten der Motive) und das logische Denkvermögen (für die Verwendung der Nähmaschine) stimuliert.

Die Teilnehmer in zwei weiteren Gruppen verbrachten Zeit mit Aktivitäten, die nur eine geringe kognitive Leistung erfordern, wie z. B. Spielen, Museumsbesuche oder Musik hören. Die Aktivitäten wurden sowohl in der Gruppe als auch allein durchgeführt.

Ergebnisse

Lediglich bei den ersten drei Teilnehmergruppen wurde eine signifikante Leistungssteigerung des Arbeitsgedächtnisses festgestellt. Eine Verbesserung der Gehirnfunktionen bei den Personen, die Gruppenaktivitäten durchgeführt hatten, konnten die Forscher wie erwartet nicht feststellen. Die Forscher schließen daraus, dass nicht alle Aktivitäten gleich wirkungsvoll sind. Vielmehr sei es wichtig, sich mit Dingen zu beschäftigen, die neu und gleichzeitig intellektuell stimulierend sind.

Quelle: Park D. et al. (2013). The Impact of Sustained Engagement on Cognitive Function in Older Adults - The Synapse Project. Psychological Science, November 8, 2013, doi: 10.1177/0956797613499592
PDF "The Impact of Sustained Engagement on Cognitive Function in Older Adults: The Synapse Project"

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Zweisprachigkeit verzögert Demenz

Zweisprachigkeit verzögert Symptome von Demenz um viereinhalb Jahre

Zweisprachigkeit verzögert Demenz
(Foto: HappyNeuron.de)

Eine Demenz zeichnet sich durch eine Abnahme der kognitiven Fähigkeiten aus. Demenz ist heutzutage Gegenstand intensiver Forschungen, da sie in unterschiedlichen Formen bei mehreren Krankheiten auftritt, darunter die Alzheimer-Krankheit, die wohl bekannteste Demenz­erkrankung. Die Ursachen dieser Erkrankungen sind unterschiedlich und nicht selten spielen mehrere Faktoren eine Rolle.

Studie

Nun hat sich ein Forscherteam dafür interessiert, welche Aus­wirkungen Zweisprachigkeit auf das Alter hat, ab dem Symptome einer Demenz zum ersten Mal auftreten. Hierzu wurde bei einer Gruppe von 648 Patienten der Einfluss von Zweisprachigkeit untersucht. Weitere Faktoren, die sich auf die Ergebnisse auswirken könnten, wurden ebenfalls berücksichtigt.

Ergebnisse

Die im Fachmagazin Neurology vorgestellte Studie hat gezeigt, dass die ersten Symptome einer Demenz bei der bilingualen Studiengruppe im Vergleich zur Gruppe mit nur einer Sprache um viereinhalb Jahre verzögert auftreten. Diese Diskrepanz wurde, unabhängig von anderen Faktoren wie Bildungsniveau, Geschlecht und geografische Gegebenheiten, für drei Arten von Demenz festgestellt: Alzheimer, vaskuläre Demenz und frontotemporale Demenz.

Es scheint auch, dass das Sprechen von mehr als zwei Sprachen keinen zusätzlichen Vorteil birgt. Interessanter­weise wurden die Auswirkungen von Zweisprachigkeit jedoch auch bei analphabetischen Patienten festgestellt – ein Beweis dafür, dass Erziehung allein nicht für die Unterschiede verantwortlich gemacht werden kann.

Quelle: Alladi S., Bak T.H. et al. (2013). Bilingualism delays age at onset of dementia, independent of education and immigration status. Neurology, 81 (22) : 1938-1944. doi: 10.1212/01.wnl.0000436620.33155.a4
PDF "Bilingualism delays age at onset of dementia, independent of education and immigration status"

Freitag, 18. Oktober 2013

Empathie

Das Gehirn macht keinen Unterschied zwischen uns und den uns Nahestehenden

Für das menschliche Gehirn gilt: Mir ist wir
(Foto: Corbis)

Unter Empathie versteht man die Fähigkeit, Emotionen und Gefühle anderer zu verstehen oder gar selbst zu empfinden. In einer kürzlich durch­geführten Studie haben Forscher beobachtet, dass unser Gehirn keinen Unterschied macht, wenn ein uns Nahestehender in Gefahr ist oder wenn uns selbst Gefahr droht.

Studie

Um das nachzuweisen, haben die Wissenschaftler die Hirnreaktionen der Teilnehmer mithilfe der fMRT (funktionelle Magnetresonanztomographie) in drei Situationen beobachtet: Man kündigte ihnen an, dass ihnen selbst, einem ihnen Nahestehenden oder einem Fremden ein leichter Stromstoß verabreicht werden würde.

Ergebnisse

Die Hirnregionen, die bei Bedrohung aktiviert werden, sind die anteriore Insula, das Putamen und der Gyrus supramarginalis. Die Forscher haben entdeckt, dass diese Regionen in sehr ähnlicher Weise aktiviert werden, wenn die Bedrohung gegen eine nahestehende Person gerichtet ist, so als wäre sie ein Teil von uns selbst. Diese Regionen werden dagegen nicht aktiviert, wenn ein Fremder bedroht wird.

Quelle: Beckes, James A. Coan, Karen Hasselmo. Familiarity promotes the blurring of self and other in the neural representation of threat. Social Cognitive & Affective Neurosci, 2013, Volume 8, Issue 6, Pp. 670-677. doi: 10.1093/scan/nss046
PDF "Familiarity promotes the blurring of self and other in the neural representation of threat"


Dieser Artikel wurde von HappyNeuron.de veröffentlicht und ist unter http://form.dolist.net/o/?s=4713-181995-8575-83418624-23A&v=1 abrufbar.

Montag, 28. Januar 2013

Motorikpark Feldkirchen an der Donau

Oberösterreichs einzigartiges Bewegungsparadies

Der Balancierparcours (Hochbalken)
(Foto: Schulungsinstitut R+R)

Der Motorikpark Feldkirchen wurde vom Land Oberösterreich unter Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer im Jahr 2007 initiiert und finanziert. Das Konzept und die Planung des Motorikparks stammt vom Linzer Sportwissenschafter Dr. Roland Werthner. Die Bauausführungen erfolgten im Wesentlichen von den Straßenmeistereien Ottensheim und Lembach. Anders als bei den Fitnessparks der 60er/70er Jahre findet man hier vielfältige attraktive und innovative Stationen, die so richtig zum vielseitigen und kreativen Bewegen in der Natur einladen.

Der Wortfindungsparcour (ABC-Orientierungswald)
(Foto: Land Oberösterreich)

Ein Bewegungsparadies für alle Bevölkerungsgruppen und Altersstufen

Der Motorikpark Feldkirchen stellt ein wahres Bewegungsparadies für alle Bevölkerungsgruppen und Altersstufen dar. Vom Kindergartenkind über Fitness- und Leistungssportler bis zu aktiven Senioren, jeder Gast kann hier in einer wundschönen Naturlandschaft einen wesentlichen Beitrag zur persönlichen Gesundheit und Fitness leisten. Die hier umgesetzten Bewegungsangebote und Bewegungsideen erleichtern den Startschuss zu einem bewegungsorientierten Leben bzw. unterstützen wesentlich ein regelmäßiges Training.

Kostenloser Zugang

Der Zugang zum Motorikpark ist kostenlos. Auf den einzelnen Stations-Tafeln werden die jeweiligen Aufgaben­stellungen, Nutzungs­richt­linien und zu erwartenden Trainings­effekte erklärt. Die Koordinations­stationen an den Eingängen im Norden und im Süden, die Barfuß-Laufrunde um den Motorikpark und die Dehnoase im Weiden­pavillon sollten jeweils zu einem 10- bis 20-minütigen Aufwärmen mit niedriger Intensität verwendet werden. Die attraktiven Kraft-, Schnelligkeits- und komplexen Koordinations­stationen bitten wir im eigenen Interesse nur in einem aufgewärmten Zustand zu nutzen. Bitte tragen Sie dazu bei, dass die einzelnen Geräte dauerhaft in einem guten und funktionsfähigen Zustand bleiben.

Wie erreichen Sie den Motorikpark Feldkirchen?

Anfahrt von Linz auf der B 127 Richtung Rohrbach, Durchfahrt von Puchenau und Ottensheim, dann links auf die B 132 Richtung Feldkirchen abbiegen und der Beschilderung Badeseen - Motorikpark folgen. - [Standort]

Beschreibung der Stationen

Eine Beschreibung der einzelnen Stationen finden Sie in diesem PDF-Dokument der Gemeinde Feldkirchen.


Dieser Artikel wurde von Land Oberösterreich veröffentlicht und ist unter http://land-oberoesterreich.gv.at/cps/rde/xchg/ooe/hs.xsl/59712_DEU_HTML.htm abrufbar.

Samstag, 19. Februar 2011

Bewegung hält das Gedächtnis fit

Nichts gegen Denksport - aber es gibt einen viel leichteren Weg, um das Gedächtnis auf Trab zu bringen

Bewegung - der einfachste Trick, um das Gedächtnis zu verbessern
(Foto: Corbis)

Könnten die Forscher in einer ihrer vielen Studien nicht mal herausfinden, dass es gesund ist, stunden­lang faul auf dem Sofa zu sitzen? Nein, sie denken nicht daran. Stattdessen verkünden sie, was zu befürchten war: Wenn wir unser Gehirn und Gedächtnis erhalten wollen, müssen wir uns regelmäßig bewegen. Und nicht zu knapp.

Drei Studien, dasselbe Ergebnis

Wissenschaftler der University of Pittsburgh (US-Staat Pennsylvania) haben in einer Langzeitstudie 299 Freiwillige untersucht. Dabei fanden sie heraus: Diejenigen, die pro Woche regelmäßig zehn bis 15 Kilometer zu Fuß gingen, besaßen neun Jahre später mehr Gehirn­substanz und weniger Gedächtnis­probleme als eine Vergleichs­gruppe, die aus Bewegungs­muffeln bestand. - Noch mehr Spazier­gänge als diese täglichen rund zwei Kilometer brachten allerdings keinen weiteren Vorteil.

Professor Hans-Georg Predel von der Deutschen Sporthochschule Köln bestätigt das Ergebnis der Studie: »Wer zum Beispiel drei Wochen lang nur auf der faulen Haut liegt, vermindert seine kognitiven (geistigen) Fähigkeiten um zwanzig bis dreißig Prozent.« In diesem Fall verkümmert ein Teil der Synapsen im Gehirn, also jener Nervenzellen-Enden, an denen Informationen zu benachbarten Gehirnzellen übertragen werden.

Eine australische Studie kam zu dem Ergebnis, dass Menschen mit leichten Erinnerungslücken ihr Gedächtnis verbessern, wenn sie zweieinhalb Stunden pro Woche sportlich aktiv sind. Es führt also kein Weg an körperlicher Bewegung vorbei, wenn man geistig fit bleiben möchte.

Freitag, 23. April 2010

Lernen im Traum

Gehirn kann Aufgaben im Schlaf lösen

Patient im Schlaflabor: Träume helfen beim Lernen
(Foto: DPA)

In Träumen verarbeitet das Gehirn, was es tagsüber gelernt hat. Wie erfolgreich es dabei ist, sollte ein Computer-Experiment klären. Von den Ergebnissen waren selbst die Wissenschaftler überrascht.

Im Schlaf kommt es im Hirn zu erstaunlichen Vorgängen - unter anderem schreiben Forscher ihm die Fähigkeit zu, die Erfahrungen des Tages zu verarbeiten und zu verfestigen. Jetzt haben israelische und amerikanische Forscher in Experimenten zum räumlichen Lernen herauszufinden versucht, wie gut das Gehirn im Schlaf lernt - und sind zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen.

Die Studie

Die 99 Studienteilnehmer konnten zuerst eine Stunde lang ihre Orientierungsfähigkeit virtuell trainieren: Sie mussten versuchen, am Computer so schnell wie möglich einen Endpunkt in einem dreidimensionalen Labyrinth zu erreichen. Danach hielt die Hälfte der Probanden ein Nickerchen von 90 Minuten, die anderen blieben wach, wobei sie sich passiv beschäftigten - beispielsweise durch das Anschauen von Videos.

Die Schläfer wurden eine Minute nach dem Eintreten in einen kontinuierlichen Schlaf wieder geweckt und mussten dann beschreiben, was sie geträumt hatten. Danach schliefen sie ungestört weiter und berichteten anschließend wieder über ihre Träume. Die Wachenden mussten mehrmals während der eineinhalbstündigen Pause sagen, was ihnen gerade durch den Kopf ging. Fünf Stunden nach dem ersten Training am Computer wurden alle Teilnehmer erneut auf ihre Schnelligkeit im Irrgarten getestet.

Das überraschende Resultat: Wer zuvor Träume mit einer Beziehung zur Aufgabe erlebt hatte, zeigte dramatische Verbesserungen beim Spiel. Der Zeitgewinn lag bis zu zehnmal höher als bei den Schläfern ohne die labyrinthbezogene Traumarbeit, die sich nur minimal verbesserten. Die Wachenden dagegen stagnierten völlig, sogar wenn sie während der Pause über die Irrgarten-Aufgabe nachgedacht hatten, schreiben die Wissenschaftler um Erin Wamsley von der Harvard Medical School in Boston im Fachmagazin Current Biology (siehe Original-Artikel in Englisch).

Träume ein Nebenprodukt der Erfahrungsverarbeitung?

Bei den erfolgreichen Träumern wurde die deutliche Verbesserung auch festgestellt, wenn die Träume nur von einem nebensächlichen Aspekt des Computerspiels handelten. "Die Träumer beschrieben ganz unterschiedliche Erlebnisse - das Hören der Begleitmusik des Spiels, ein Feststecken in einer labyrinthähnlichen Höhle mit Fledermäusen, den Anblick von Personen an einer Kreuzung", sagt Wamsley.

Die Ergebnisse deuten nach Ansicht der Forscher darauf hin, dass unser Gehirn während eines Traums mit dem Verarbeiten von neuen Informationen und Lerninhalten beschäftigt ist. Zugleich werden die gewonnenen Erfahrungen in einen größeren Zusammenhang gestellt - beispielsweise könnten die Labyrinth-Erfahrungen bei der Frage verwendet werden, wie ein Mensch mit vielen Informationen umgeht./p>

Träume verbessern Lernfähigkeit und Gehirnleistung

"Die Träume scheinen diese unbewusste Gehirnaktivität als Nebenprodukt zu begleiten", sagt Co-Autor Robert Stickgold. Es seien also wohl nicht die Träume, die zu einer besseren Gehirnleistung verhelfen würden, sondern diese seien nur ein Zeichen, dass einige Gehirnregionen aktiv neue Erfahrungen verarbeiteten.

Interessanterweise waren die Personen, die von der Labyrinth-Aufgabe träumten und sich dann im zweiten Durchgang stark verbesserten, im ersten Durchgang relativ schlecht gewesen. Das Gehirn beschäftigt sich also vermutlich während des Träumens mit den Inhalten, die ein Mensch noch nicht beherrscht.

Die Wissenschaftler werden nun ihre Studie mit längeren Schlafzeiten in der Nacht wiederholen. Sie hoffen, aus ihren Experimenten schließlich praktische Informationen zu erhalten, wie wir im Traum unsere Lernfähigkeit und Gehirnleistung verbessern können.


Dieser Artikel wurde von Spiegel online veröffentlicht und ist unter Lernen im Traum: Gehirn kann Aufgaben im Schlaf lösen abrufbar.