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Mittwoch, 3. Dezember 2014

Menschliche Zellen machen Mäuse intelligenter

Injektion in Gehirne zur Stärkung neuronaler Netze vorgenommen

Maus: wird schlauer durch menschliche Zellen
(Foto: pixelio.de/A. Schweppe-Rahe)

Rochester (pte018/03.12.2014/10:30) - Experten der University of Rochester Medical Center haben Mäuse erschaffen, deren Gehirne zur Hälfte menschlich sind. Ziel des Projektes war ein besseres Verständnis von Erkrankungen des menschlichen Gehirns durch die Arbeit mit den ganzen Organen der Tiere und nicht nur mit Proben. Die veränderten Tiere verfügen immer noch über Mäuseneuronen, die rund die Hälfte ihrer Gehirnzellen ausmachen. Die Gliazellen in ihren Gehirnen, die die Neuronen unterstützen, sind jedoch menschlich.

Vermehrung auf zwölf Mio. Stück

Laut dem leitenden Forscher Steve Goldman handelt es sich immer noch um Gehirne von Mäusen. "Alle nicht nicht-neuronalen Zellen sind jedoch menschlich." Die Wissenschaftler haben unreife Gliazellen aus gespendeten menschlichen Föten gewonnen. Sie wurden Jungtieren injiziert. Dort entwickelten sie sich zu Astrozyten, einer sternenförmigen Art von Gliazellen. Innerhalb eines Jahres wurden die Gliazellen der Mäuse vollständig von den menschlichen Zellen übernommen. Die 300.000 menschlichen Zellen, die jedes Tier erhalten hatte, vermehrten sich, bis zur Zahl von zwölf Mio. Stück.

Astrozyten sind für bewusstes Denken von Bedeutung, da sie helfen, die Verbindungen zwischen den Neuronen zu stärken. Ihre Ausläufer spielen bei der Koordination von elektrischen Signalen über die Synapsen eine Rolle. Menschliche Astrozyten sind zehn bis 20 Mal so groß wie die der Mäuse und verfügen über 100 Mal mehr Ausläufer. Das bedeutet, dass sie zu einer viel rascheren Koordination der neuronalen Signale fähig sind. Eine Reihe von Standardtests zu Gedächtnis und Wahrnehmung hat gezeigt, dass die Mäuse mit den menschlichen Astrozyten schlauer waren als ihre normalen Artgenossen.

Goldman hat bereits 2013 Studienergebnisse präsentiert, laut denen Mäuse mit menschlichen Gliazellen klüger sind. Die injizierten menschlichen Zellen waren jedoch bereits erwachsen und fügten sich daher nur in das Gehirn der Tiere ein. Bei der aktuellen Studie wurden Vorgänger dieser Zellen injiziert, die in der Lage sind, sich zu teilen und zu vermehren. Daher waren sie laut dem Wissenschaftler auch in der Lage, das Gehirn der Mäuse so vollständig zu übernehmen. Ihre Vermehrung endete erst, als die räumlichen Grenzen erreicht waren.

Studien mit MS-Patienten geplant

Für ein weiteres Experiment injizierte Goldman Jungtieren unreife menschliche Gliazellen, die nur wenig Myelin produzierten. Dieses Protein dient der Abschirmung von Nerven. In den Gehirnen der Mäuse reifte eine große Anzahl der Zellen zu Oligodendrozyten, die Myelin produzieren. Die Zellen erkannten den Mangel und versuchten, ihn auszugleichen. Das Wissen könnte zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden, bei denen die Myelinschicht geschädigt ist. Eine Genehmigung dafür, Patienten mit Multipler Sklerose mit den Vorläufern der Gliazellen zu behandeln, steht noch aus. Studien sollen in 12 bis 15 Monaten beginnen.

Laut Goldman machen die zusätzlichen Zellen die Mäuse jedoch nicht menschlicher. "Diese Zellen verbessern nur die Effektivität des neuronalen Netzwerkes der Tiere. Es sind immer noch Mäuse." Aus ethischen Gründen verwarfen die Wissenschaftler die Idee, Affen menschliche Zellen zu verabreichen. Derzeit finden jedoch erste Tests mit Ratten statt. Die Forschungsergebnisse wurden im Journal of Neuroscience veröffentlicht.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20141203018 abrufbar.

Mittwoch, 7. Mai 2014

Menschen gähnen verstärkt, um Gehirn zu kühlen

Temperaturunterschiede ausgeglichen - Studien in Wien und Arizona

Gähnende Frau: Gehirn-Temperatur muss stimmen
(Foto: Andrew Gallup)

Wien/Oneonta (pte002/07.05.2014/06:05) - Menschen gähnen, um das Gehirn zu kühlen. Auf diese Funktion der Thermoregulierung durch das Gähnen weisen Experten der Universität Wien in Kooperation mit US-Wissenschaftlern des SUNY College hin. Denn Schlafzyklen, kortikale Erregungs­zustände und Stress sind durch schwankende Gehirntemperaturen gekennzeichnet. Gähnen gleicht diese Temperaturunterschiede hingegen aus und gewährleistet eine optimale Homöostase, also einen Gleichstand.

"Wärmefenster" relevant

Die Forscher vermuten, dass kalte Temperaturen zu niedrigen Gehirntemperaturen führen. Durch das Gähnen lässt sich die vorgegebene Umgebeungstemperatur manipulieren. Denn, so die Hypothese der Fachleute: Gähnen findet nur unter optimalen Temperaturbedingungen, in einem sogenannten "Wärmefenster" statt.

Jorg Massen und Kim Dusch von der Universität Wien untersuchten die "ansteckende" Gähnfrequenz von Fußgängern auf den Straßen Wiens sowohl in Sommer- als auch in den Wintermonaten und verglichen sie mit den Ergebnissen einer identen, früheren Studie im trockenen Klima von Arizona. Passanten wurden gebeten, eine Bilderserie von gähnenden Menschen zu betrachten und über ihr eigenes Gähnverhalten zu berichten.

Gähnen als Thermoregulation

Die Wissenschaftler kommen bei ihrer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die Wiener im Sommer mehr gähnten als im Winter, während die Befragten in Arizona umgekehrt mehr in den Winter- als in den Sommermonaten gähnten. Dabei geht es jedoch nicht primär um die Jahreszeit oder die Anzahl der Tageslicht-Stunden, als vielmehr darum, dass "ansteckendes" Gähnen von optimalen Umgebungstemperaturen um rund 20 Grad Celsius abhängig ist.

Das "ansteckende" Gähnen nahm mit den relativ hohen Sommertemperaturen von 37 Grad Celsius in Arizona und den niedrigen, rund um den Gefrierpunkt befindlichen Wintertemperaturen in Wien ab. "Gähnen als Thermoregulation für das Gehirn kann nicht funktionieren, wenn die Umgebungstemperatur und Körpertemperatur gleich hoch sind. Bei Umgebungstemperaturen um den Gefrierpunkt ist dies ebenfalls nicht notwendig - oder sogar gefährlich", erläutert Massen.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20140507002 abrufbar.

Freitag, 28. Februar 2014

Digitales Archiv mit menschlichen Gehirnen entsteht

Gewonnene Informationen sollen Wissenschaft Fortschritte ermöglichen

Gehirn: digitales Archiv entsteht
(Foto: pixelio.de, Monika Torloxten)

San Diego (pte004/28.02.2014/06:15)
Das Brain Observatory baut derzeit ein digitales Archiv mit menschlichen Gehirnen auf. Diese Bibliothek soll Ärzte bei der Heilung lebensbedrohlicher Erkrank­ungen unterstützen. Ermöglicht wird dieses Archiv durch die Hilfe von rund 300 Gehirnspendern. Sie gehören allen Lebensbereichen an. Ein Teil der Teilnehmer ist gesund, andere leiden an lebens­bedrohlichen Erkrankungen des Gehirns.

Nach dem Tod gespendet

Die Patienten werden während ihres Lebens einer Reihe von Tests unterzogen. Nach ihrem Tod spenden sie ihre Gehirne. Scheiben des Gehirns werden gescannt und die Bilder digital gespeichert. Sie sollen Ärzten ermöglichen, nach Hinweisen auf neurologische Erkrank­ungen und dem Geheimnis der Langlebigkeit des Menschen zu suchen.

Jacopo Annese, der Gründer des Brain Observatory, geht laut davon aus, dass die in der Bibliothek enthaltenen Informationen lange vor dem Auftreten von Symptomen dabei helfen könnten, verräterische Anzeichen von ernsten Erkrankungen des Gehirns zu entdecken.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20140228004 abrufbar.

Mittwoch, 19. Februar 2014

Gehirn freut sich über Ablenkung beim Fernsehen

Bindung an Programm steigt durch Interaktionen über Social Media

Alter Fernseher: für Multiscreening ungeeignet
(Foto: flickr.com/dailyinvention)

Melbourne/München (pte003/19.02.2014/06:10) -
Social-Media-Nutzung während des TV-Konsums ist nicht so eine große Ablenkung wie ursprünglich gedacht. Das zeigen Ergebnisse aus der Hirnforschung. Neuro-Insight hat in Australien die Gehirnaktivität von 36 Zuschauern einer Fernsehserie gemessen und gleichzeitig auch die Social-Media-Interaktionen aufgezeichnet.

Kunden aus der Passivität holen

Zuschauer wenden sich immer dann Social Media zu, wenn das Programm besonders fesselnd ist. Das führt wiederum zu einer höheren Bindung an das soziale Medium, das zur Kommunikation mit den anderen Sehern genutzt wird, so die Forscher. Wenn die Zuschauer ihre Aufmerksamkeit dann wieder auf das Programm zurück richten, gibt es zwar eine kurze Flaute im Gehirn. Die Aufmerksamkeit steigt aber auf ein höheres Level als vor der Interaktion über Social Media.

Marketing-Expertin Anne M. Schüller begrüßt die parallele Nutzung von Medien im Gespräch mit pressetext: "Es ist vor allem eine Chance, da es die Kunden aus der Passivität holt. Sie werden zu Mitgestaltern und erfreuen sich an ihren Wahlmöglichkeiten." Und auch sie weiß über Effekte der Social-Media-Nutzung auf das Gehirn zu berichten: "Wenn diese Macht, mitzugestalten, positive Konsequenzen nach sich zieht, schüttet das Hirn Hormone aus. Wir werden vom Hirn belohnt - und das wollen wir natürlich immer wieder erleben."

Chancen durch Parallelnutzung

Verglichen mit der Zeit vor der Social-Media-Interaktion war die Aufmerksamkeit gegenüber der TV-Serie danach um neun Prozent höher. Zusätzlich wurde die Bindung an das laufende Programm um bis zu 25 Prozent gestärkt, wenn die Zuschauer soziale Netzwerke verwenden durften. Gerade in Bezug auf den Trend zum zweiten Bildschirm beziehungsweise Multiscreening sind diese Befunde interessant.

Jedoch sind die Zuseher von der Integration von Twitter ins TV noch nicht vollends begeistert (pressetext berichtete: http://pte.com/news/20140127001). Für das Marketing bietet die parallele Nutzung aber enorme Chancen: "Wenn ich über eine Serie diskutiere, können das alle mitlesen, die mir auf Twitter oder Facebook folgen. Diese Leser können ebenfalls interagieren und meine Postings teilen - dadurch kann eine regelrechte Mundpropagandawelle entstehen", betont Schuller abschließend.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20140219003 abrufbar.

Donnerstag, 6. Februar 2014

Bionische Hand gibt Amputierten Gefühl wieder

Konsistenz von Objekten bestimmbar - Direktes Feedback an das Gehirn

Dennis Aabo: erste Tests im Labor überaus erfolgreich
(Foto: epfl.ch)

Pisa/Lausanne (pte009/06.02.2014/10:00) -
Forscher haben eine bionische Hand geschaffen, die Patienten mit Amputationen das Gefühl in den Fingern wiedergeben soll. Der Däne Dennis Aabo wurde mit einer derartigen Hand ausgestattet, die mit den Nerven in seinem Oberarm verbunden ist. Der Patient selbst ist mit dem Ergebnis des Eingriffes sehr zufrieden. Es gelang Aabo bei Tests die Form und Konsistenz von Objekten zu bestimmen, die er aufhob. Das Gelang auch wenn ihm die Augen verbunden waren.

Gefühl in Echtzeit

Laut Silvestro Micera von der Ecole Polytechnique Federale de Lausanne und der Scuola Superiore Sant'Anna ist es damit erstmals gelungen, einem Patienten mit einer Prothese ein wirkliches Gefühl in der Hand in Echtzeit wiederzugeben. Der Fortschritt liegt nicht in der Hand selbst, sondern in der Elektronik und der Software, die das Feedback an das Gehirn ermöglichen. Die Wissenschaftler rüsteten die künstliche Hand mit Sensoren aus, die Informationen über Berührungen entdecken und messen können. Mithilfe von Computeralgorithmen wurden elektrische Signale in Impulse umgewandelt, die von den Nerven erkannt werden konnten.

Während einer Operation in Rom wurden vier Elektroden an den Nerven des Oberarms des Patienten angebracht. Sie wurden mit künstlichen Sensoren in den Fingern der Prothesenhand verbunden und ermöglichten so, Informationen über berührte Gegenstände und den dabei ausgeübten Druck direkt an das Gehirn weiterzuleiten. Aabo absolvierte einen Monat lang Tests. Der größte Unterschied lag für ihn darin, dass er, wenn er etwas berührte, fühlen konnte, was er tat, ohne hinschauen zu müssen. "Ich könnte die Hand auch im Dunkeln benutzen."

Prototyp wird erweitert

Die bionische Hand ist noch immer ein Prototyp. Aufgrund der Sicherheitsauflagen bei klinischen Studien mussten die Sensoren in einer zweiten Operation wieder entfernt werden. Für Paolo Rossini vom Policlinico Universitario Agostino Gemelli in Rom ist Aabo ein Held. "Er hat für diese Tests einen Monat seines Lebens investiert und zwei Operationen über sich ergehen lassen." Das Wissenschaftlerteam arbeitet derzeit an der Verkleinerung der Technologie, damit auch ein Einsatz zu Hause möglich wird. Laut Thomas Stieglitz von der Universität Freiburg müssen die externen Kabel verschwinden und voll implantierbar werden.

Vor kurzem veröffentlichten Wissenschaftler in Cleveland ein Video eines Patienten, der mit einer künstlichen Hand die Stiele von einer Kirsche pflückt. Diese Forschungsergebnisse müssen jedoch erst in einem wissen­schaftlichen Fachmagazin veröffentlicht werden. Experten gehen derzeit davon aus, dass es noch rund ein Jahrzehnt dauern wird, bis derartige Prothesen auf den Markt kommen können. Mittlerweile sind auch Prothesen denkbar, die Beschaffenheiten und Temperatur erkennen können. Details der Studie wurden im Fachmagazin Science Translational Medicine veröffentlicht.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20140206009 abrufbar.

Donnerstag, 19. Dezember 2013

EU: Pestizide schädigen menschliches Gehirn

Behörde für Lebensmittelsicherheit fordert Senkung der Grenzwerte

Vorsicht: Pestizide gefährden die Gesundheit
(Foto: flickr.com/jetsandzeppelins)

Parma (pte001/19.12.2013/06:00) -
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat vorgeschlagen, die sicheren Grenzwerte für den Kontakt mit sogenannten Neonicotinoiden - einer Gruppe von hochwirksamen Insektiziden - zu senken. Hintergrund für die aktuelle Entscheidung sind mehrere Studien, die erst kürzlich nachweisen konnten, dass derartige Chemikalien negative Auswirkungen auf das Gehirn von neugeborenen Ratten haben. Konkret betroffen sind etwa die beiden Pflanzenschutzmittel Imidacloprid und Acetamiprid, die in verschiedenen Experimenten bei den Tieren direkte Schäden und Beeinträchtigungen hervorriefen.

"Wir haben Bedenken, dass die beiden Pestizide Imidacloprid und Acetamiprid das sich in der Entwicklung befindende Nervensystem des Menschen beschädigen könnten", heißt es in dem EFSA-Statement. Die EU-Behörde habe mehrere Studienergebnisse vorliegen, die ähnliche negative Auswirkungen bei Ratten belegen würden. Als Konsequenz wolle man nun einen Antrag stellen, der die gültigen Richtlinien für akzeptable Grenzwerte deutlich nach unten reduziert. "Die derzeitigen Regeln für eine annehmbare Exposition bieten hier vielleicht keinen ausreichenden Schutz", betont die Behörde.

Hirnschrumpfung und Gewichtsverlust

Zur Untermauerung ihrer Argumentation verweisen die EFSA-Experten auf mehrere wissenschaftliche Untersuchungen, die an Ratten durchgeführt worden sind. In einer davon konnte zum Beispiel gezeigt werden, dass junge Nagetiere, die dem Neonikotinoid-Insektizid Imidacloprid ausgesetzt waren, anschließend mit beträchtlichen Konsequenzen zu kämpfen hatten. So wurde bei ihnen unter anderem eine Schrumpfung des Hirns, Gewichtsverlust und eine reduzierte Beweglichkeit festgestellt.

Was die tatsächliche Aussagekraft der vorliegenden Studienresultate betrifft, gibt sich die EU-Behörde aber eher konservativ. "Wir empfehlen die Durchführung weiterer Forschungsarbeiten zur Gewinnung zuver­lässigerer Daten", resümiert das zuständige Prüfungsgremium, das im gleichen Atemzug auch die Festlegung eindeutiger und konsistenter Kriterien für derartige Studien fordert. Letzten Endes soll auf diese Weise eine integrierte Prüfstrategie entwickelt werden, die im Rahmen des Zulassungsverfahrens für Pestizide einem stufenweisen Ansatz folgt: zunächst Labortests mit Zellen und dann Tierversuche.

Zusammenhang mit Bienensterben

Interessant ist, dass auf Geheiß der Europäischen Union erst im April dieses Jahres ein zweijähriger Zulassungsstopp für verschiedene Arten der besagten Chemikalien ausgesprochen worden ist. Neben anderen Gefahren und Risiken war hierfür vor allem die Einschätzung vieler Experten ausschlaggebend, die den Einsatz von Pestiziden direkt mit dem oft zitierten Bienensterben in Verbindung bringt. Dass die weltweiten Bestände seit Jahren stark rückläufig sind, hatte schon die Umweltschutzgruppe GLOBAL 2000 in einem Bericht aufgezeigt. Auch damals konnten in den Bienenproben fünf schon lange verbotene Pestizide nachgewiesen werden. Die Umweltschützer sprachen von einem "völlig unerwarteten und erschreckenden Ergebnis".


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Donnerstag, 12. Dezember 2013

Forscher wollen Gehirn im Labor nachzüchten

Implantate sollen eines Tages im klinischen Betrieb eingesetzt werden

Schnittbilder des Gehirns: Forscher wollen es züchten
(Foto: pixelio.de, Rike)

Stockholm (pte012/12.12.2013/10:45)
Wissenschaftlern des Karolinska Institutet sind erste Schritte bei der künstlichen Herstellung menschlicher Körperteile wie dem Gehirn gelungen. Der Prozess beginnt mit einem Gerüst. Es dient als eine Art Vorlage, auf der die Zellen aus dem Körper des Patienten wachsen können. Dieses Verfahren wurde bereits erfolgreich bei Lymphknoten, Herzzellen und Kehl­köpfen aus den Stammzellen eines Menschen umgesetzt. Es ist sogar gelungen, eine künstliche Niere herzustellen und sie einer Ratte zu transplantieren. Das Gehirn bleibt Zukunftsmusik.

Komplexität von Nervenzellen

Die Herstellung von Nervengewebe im Labor ist jedoch viel schwieriger. Im Gehirn wachsen neue Nervenzellen in einer komplexen und spezialisierten Proteinmatrix. Diese Matrix ist so wichtig, dass geschädigte Zellen sich ohne sie nicht wieder regenerieren. Ihre Komplexität ist jedoch nur schwer zu reproduzieren.

Paolo Macchiarini und Silvia Baiguera versuchten, dieses Problem zu umgehen, indem sie ein Gerüst aus Gelatine mit einer winzigen Menge Gewebe aus dem Gehirn einer Ratte kombinierten, bei dem die Zellen bereits entfernt worden waren. Sie hofften, dass das dezellularisierte Gewebe ausreichend biochemische Informationen enthalten würde, damit sich die verwendeten Zellen so entwickelten wie im Gehirn.

Künstliche Matrix als Grundlage

Als die Wissenschaftler mesenchymale Stammzellen zu dieser Mischung hinzufügten, fanden sie Hinweise darauf, dass die Stammzellen damit begonnen hatten, sich zu neuronalen Zellen zu entwickeln. Bei diesen Stammzellen handelte es sich um Zellen, die aus dem Knochenmark einer anderen Ratte stammten, berichtet das Fachmagazin Biomaterials.

Dieses Verfahren hat laut dem Experten Alex Seifalian vom University College London den Vorzug, dass die Vorteile des natürlichen Gewebes mit den mechanischen Eigenschaften der künstlichen Matrix kombiniert werden können. Es wird jedoch noch lange dauern, bevor ein klinischer Einsatz dieses Verfahrens angedacht werden kann.

Macchiarini kann sich jedoch ein Gerüst vorstellen, auf dem neuronale Zellen "gesät" werden, die Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen helfen. Das Absterben der Gehirnzellen führt bei Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer zu diesen Symptomen. Eines Tages könnte es auch möglich sein, Transplantate aus biotechnologisch hergestelltem Gewebe zu nutzen, um Teile eines Gehirns zu ersetzen, das zum Beispiel durch eine Schussverletzung geschädigt wurde.


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Dienstag, 22. Oktober 2013

Menschliches Hirn Vorbild für IBM-Supercomputer

Kühlung und Energieversorgung wie beim Blutkreislauf durch Flüssigkeit

Walnuss: Gehirn inspiriert mit seinem Gefäßsystem
(Foto: pixelio.de/C. Enzmann)

Zürich/Bielefeld (pte004/22.10.2013/06:15)
Forschern des IBM Research in Rüschlikon ist es gelungen, den Prototypen eines Chips zu bauen, der so ähnlich wie das menschliche Gehirn funktioniert. Dabei dient der Blutkreislauf mit seinem komplexen Gefäßsystem als Vorbild. Wie beim Menschen das Blut sorgt Flüssigkeit bei der sogenannten Redox-Flow-Technik dafür, dass der Computer mit Energie versorgt und gekühlt wird.

Cray-1 erstmals mit Kühlung

"Das besondere an diesem neuen Ansatz ist, dass Kühlung und Energieversorgung erstmals in einem Computer vereint werden. Bei den ersten Supercomputern wie der Cray-1 aus den 80er Jahren ist ein separates Kühlsystem zum Einsatz gekommen, das durch eine umlaufende Sitzbank kaschiert worden ist", führt Ipke Wachsmuth, Professor für Künstliche Intelligenz an der Universität Bielefeld, gegenüber pressetext aus. Das neue Konzept stelle eine spannende Möglichkeit dar, in Zukunft Supercomputer kleiner und energiesparsamer zu machen.

Das menschliche Gehirn hat eine 10.000 Mal dichtere Struktur und verbraucht 10.000 Mal weniger Energie als herkömmliche Computer. Aus diesem Grund haben sich die Forscher das Ziel gesetzt, einen Chip zu kon­struieren, der ebenso leistungsfähig ist. Der Testaufbau wurde vergangene Woche von den IBM-Forschern Patrick Ruch und Bruno Michel an der ETH Zürich präsentiert worden.

Basismodell noch im Laborstadium

Die Stromversorgung soll nicht wie üblich über Drähte, sondern das Kühlmittel erfolgen. Dabei wird die Energie über elektrochemische Reaktionen direkt zum Chip transportiert. Die mit Chemikalien versetzte Flüssigkeit dient als Elektrolyt und wird von den Elektroden elektrisch geladen. Anschließend wird elektromechanische Flüssigkeit in den Computer gepumpt, wo der Chip mit Energie versorgt wird. Derzeit befindet sich das Redox-Flow-System noch in einer Testphase, in der noch mit unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten und Tem­peraturen experimentiert wird.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20131022004 abrufbar.

Freitag, 18. Oktober 2013

Schlaf reinigt Gehirn von Giftstoffen

"Abfallbeseitigung" einer der Hauptgründe für Ruhebedürfnis

Gehirn reinigt sich im Ruhemodus von selbst
(Foto. SPL)

Rochester (pte009/18.10.2013/10:30)
Das Gehirn nutzt den Schlaf, um Giftstoffe wegzuspülen, die sich während eines ganzen Tages intensiven Denkens angesammelt haben. Zu diesem Ergebnis kommt die University of Rochester Medical Centre. Das Team um Maiken Nedergaard geht davon aus, dass dieses "Abfallbeseitigungssystem" einer der Hauptgründe für den Schlaf an sich ist.

Gehirnzellen schrumpfen

Die in Science veröffentlichte Studie hat auch gezeigt, dass Gehirnzellen während des Schlafes schrumpfen, um die Lücken zwischen den Neuronen zu öffnen und so Flüssigkeit zu ermöglichen, das Gehirn sauber zu "waschen". Das weist auch darauf hin, dass das Versagen dieses Reingungsmechanismus eine Rolle bei Erkrankungen des Gehirns spielen könnte.

Eine der großen Fragen für Schlafforscher ist, warum Tiere schlafen, wenn sie damit angreifbar für ihre Feinde werden. Es wurde bereits nachgewiesen, dass der Schlaf eine große Rolle bei der Verankerung von Erinnerungen im Gehirn und dem Lernen spielt. Jetzt gehen die Wissenschaftler aber auch davon aus, dass "Hausarbeit" einer der Hauptgründe für die Notwendigkeit zu schlafen, sein könnte.

Energie wird optimal genutzt

Laut Nedergaard hat das Gehirn nur eingeschränkt Energie zur Verfügung. Es scheint so zu sein, dass es zwischen zwei verschiedenen Funktionsarten wählen muss - und zwar wach und aufmerksam oder schlafen und reinigen. Die Forscherin vergleicht diesen Mechanismus mit einer Hausparty. "Entweder unterhält man die Gäste oder man räumt das Haus auf. Beides gleichzeitig geht nicht wirklich."

Die Forschungsergebnisse basieren auf einer Entdeckung, die erst im Vorjahr gemacht wurde. Es handelt sich dabei um ein Netzwerk von "Rohrleitungen" im Gehirn, das sogenannte glymphatische System, das Abfallstoffe aus dem Gehirn transportiert. Wissenschaftler haben bereits an den Gehirnen von Mäusen sichtbar gemacht, dass das glymphatische System zehn Mal aktiver war, wenn die Tiere schliefen.

Annahmen sind reine Spekulationen

Gehirnzellen, wahrscheinlich die Gliazellen, die Nervenzellen am Leben erhalten, schrumpfen während des Schlafes. Damit vergrößert sich der interstitielle Raum, erweitern sich also die Lücken innerhalb des Gehirns. Damit kann mehr Flüssigkeit durchgepumpt und Giftstoffe weggeschwemmt werden. Dabei handelt es sich laut Nedergaard um eine für das Überleben entscheidende Funktion.

Sie scheint im wachen Zustand jedoch nicht durchgeführt werden zu können. Es handelt sich hierbei jedoch um eine reine Spekulation. Es sehe so aus, als ob das Gehirn sehr viel Energie verliere, wenn es eine Wasserlösung durch das Gehirn pumpt, und das dürfte nicht mit der Verarbeitung von Informationen kompatibel sein. Laut Nedergaard lässt sich die wahre Bedeutung dieser Ergebnisse erst nach Studien mit Patienten einschätzen. Es dürfte jedoch relativ einfach sein, entsprechende Experimente mit einer MRT-Anlage durchzuführen.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20131018009 abrufbar.

Freitag, 11. Oktober 2013

Chemikalie verhindert Absterben von Gehirnzellen

Wissenschaftler hoffen auf Medikament gegen Alzheimer und Parkinson

Wirkung eines Medikaments: Alzheimer und Parkinson wären heilbar
(Foto: SPL)

Leicester (pte002/11.10.2013/06:05)
Die Entdeckung der ersten Chemikalie, die das Absterben von Gehirngewebe bei neuro­dege­nerativen Erkrankungen verhindern kann, gilt als historisches Ereignis in der medizinischen Forschung. Weitere Tests sind jedoch für die Entwicklung von Medikamenten erforderlich, die von Patienten eingenommen werden können.

Abwehrmechanismen im Fokus

Ein mögliches Medikament könnte zur Behandlung von Alzheimer, Parkinson, der Huntington-Krankheit und anderen Erkrankungen eingesetzt werden. Erste Tests an der University of Leicester haben nachgewiesen, dass das Absterben von Zellen durch Prionenerkrankungen verhindert werden kann.

Das Team der Medical Research Council Toxicology Unit konzentrierte sich auf die natürlichen Abwehrmechanismen der Gehirnzellen. Übernimmt ein Virus eine Gehirnzelle, kommt es zu einer Ansammlung von viralen Proteinen. Die Zellen reagieren mit einer fast vollständigen Einstellung der Proteinproduktion. Sie versuchen damit, die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Eiweißproduktion entscheidend

Bei zahlreichen neurodegenerativen Erkrankungen kommt es zur Produktion von fehlerhaften oder falsch gefalteten Eiweißmolekülen. Dadurch werden die gleichen Abwehrmechanismen aktiviert. Sie haben jedoch schwerwiegendere Folgen. Die falsch gefalteten Proteine bleiben und die Gehirnzellen stellen die Eiweißproduktion so lange ein, bis sie irgendwann absterben.

Wiederholt sich dieser Vorgang in Neuronen im Gehirn, kann die Folge eine Zerstörung der Bewegungsfähigkeit, des Gedächtnisses oder gar der Tod sein. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieser Vorgang bei zahlreichen verschiedenen Arten der Neurodegeneration eintritt. So könnte eine sichere Möglichkeit zur Unterbrechung des Mechanismus die Behandlung einer Vielzahl von Erkrankungen bedeuten.

Erste Tests mit Mäusen getätigt

Das Team um Giovanna Mallucci nutzte ein Gemisch, das verhindert, dass diese Abwehrmechanismen stattfinden und stoppte damit die Neurodegeneration. Die in Science Translational Medicine veröffentlichte Studie zeigt, dass Mäuse mit Prionenerkrankungen schwere Symptome entwickelten. Innerhalb von zwölf Wochen starben die Tiere.

ene Mäuse, die mit dem neuen Wirkstoff behandelt wurden, wiesen jedoch keinen Abbau des Gehirngewebes auf. Laut Mallucci ist es den Tieren gut gegangen. "Wirklich aufregend ist, dass ein Wirkstoff die Neurodegeneration erstmals völlig verhindert hat. Dieser Wirkstoff kann noch nicht beim Menschen eingesetzt werden. Damit ist aber bewiesen, dass es möglich ist und das ist schon einmal ein Anfang." Die Forscher führen derzeit an Mäusen Tests für andere Formen von Neurodegeneration durch. Ergebnisse wurden noch nicht veröffentlicht.

Nebenwirkungen sind jedoch ein Thema. Der Wirkstoff hat Auswirkungen auf die Bauchspeicheldrüse. Das bedeutet, dass die behandelten Tiere an einer leichten Form von Diabetes erkrankten und an Gewicht verloren. Ein Medikament, das bei Patienten eingesetzt werden kann, dürfte daher nur im Gehirn wirken.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20131011002 abrufbar.

Donnerstag, 29. August 2013

Menschliche Gehirne in Miniaturgröße gezüchtet

Entwicklung im Labor entspricht der eines neun Wochen alten Fötus

Querschnitt eines vollständigen cerebralen Organoids
(Foto: de.imba.oeaw.ac.at)

Wien (pte018/29.08.2013/10:25)
Gehirne in Miniaturgröße hat das Institut für Molekulare Biotechnologie im Labor hergestellt. Das könnte das Verständnis neurologischer Erkrankungen verändern. Die erbsengroßen Strukturen erreichten den gleichen Entwicklungstand wie ein neun Wochen alter Fötus. Sie sind jedoch nicht in der Lage, Gedanken zu formulieren. Die in Nature veröffent­lichte Studie wurde bereits eingesetzt, um neue Einblicke in seltene Krankheiten zu erhalten.

Nach acht Wochen vier Millimeter groß

Das menschliche Gehirn gilt als eine der komplexesten Strukturen des Universums. Jetzt wurden die frühesten Stadien der Entwicklung dieses Organs im Labor nachgebildet. Dafür wurden weder embryonale Stammzellen noch Hautzellen von Erwachsenen eingesetzt. Konkret wurde jener Teil des Embryos hergestellt, der sich in das Gehirn und das Rückenmark entwickelt, also das Neuroektoderm. Es wurde in winzige Tropfen eines Gels platziert, um dem Gewebe für das Wachstum ein Gerüst zu geben. In einem nächsten Schritt wurde es in einen sich drehenden Bioreaktor gegeben, in eine Lösung aus Nährstoffen und Sauerstoff.

Es gelang den Zellen zu wachsen und sich selbst in verschiedene Regionen des Gehirns zu organisieren. Dazu gehörten die Großhirnrinde, die Retina und in seltenen Fällen sogar ein früher Hippokampus, der bei einem voll entwickelten Gehirn eine entscheidende Rolle bei der Ausbildung des Gedächtnisses gespielt hätte. Laut den Forschern entspricht diese einem Gehirn sehr ähnliche, aber nicht perfekte Struktur, dem Gehirn eines Fötus im Alter von neun Wochen. Die maximale Größe der Struktur lag nach zwei Monaten bei rund vier Millimetern.

Keine Blutversorgung, nur Gehirnmasse

Die Minigehirne überlebten fast ein Jahr, wuchsen jedoch nicht mehr weiter. Es gibt keine Blutversorgung, sondern nur Gehirnmasse. Das bedeutet auch, dass die Nährstoffe und der Sauerstoff nicht in das Innere der Struktur gelangen können. Laut Jürgen Knoblich, einem der Autoren der Studie, sind diese organoiden Strukturen ideal für die Erstellung von Modellen der Entwicklung des Gehirns. "Irgendwann würden wir uns gerne auch mit häufigeren Erkrankungen wie Schizophrenie oder Autismus beschäftigen. Sie werden erst bei Erwachsenen sichtbar. Es wurde jedoch bereits nachgewiesen, dass die zugrundeliegenden Defekte bei der Entwicklung des Gehirns eintreten."

Das Verfahren könnte auch dazu eingesetzt werden, Mäuse und Ratten in der Erforschung von Medikamenten zu ersetzen. Neue Behandlungsmöglichkeiten könnten direkt am Gewebe des Gehirns getestet werden. Wissenschaftlern ist es bereits in der Vergangenheit gelungen, Gehirnzellen im Labor herzustellen. Die aktuellen Studienergebnisse reichen jedoch am nächsten an die wirkliche Nachbildung eines menschlichen Gehirns heran.


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Montag, 26. August 2013

Sucht: Kokain bewirkt rasche Gehirnveränderung

Bereits zwei Stunden nach der Einnahme wird Abhängigkeit erlernt

Nervenzellen im Gehirn: Kokain verändert die Struktur
rasend schnell (Foto: SPL)

Berkeley/San Francisco (pte018/26.08.2013/11:10)
Der Konsum von Kokain kann die Struktur des Gehirns innerhalb von Stunden in Richtung erster Schritte einer Drogenabhängigkeit verändern, wie die University of California Berkeley und die University of California San Francisco herausgefunden haben.

Dendritische Dornen relevant

Tierversuche haben laut einem Bericht in Nature Neuroscience gezeigt, dass neue Strukturen in Zusammenhang mit dem Lernen und dem Gedächtnis kurz nach der Einnahme der Droge zu wachsen begannen. Die Mäuse mit den größten Veränderungen wiesen auch eine größere Präferenz für Kokain auf. Experten beschreiben diesen Vorgang als Erlernen einer Sucht durch das Gehirn.

Das Team um Linda Wilbrecht suchte nach winzigen Erhebungen des Gehirns, den sogenannten dendritischen Dornen. Sie spielen bei der Bildung von Erinnerungen eine entscheidende Rolle. Der Ort oder die Umgebung, in der Drogen konsumiert werden, spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung einer Sucht.

Bei Experimenten wurde den Mäusen erlaubt, zwei verschiedene Kammern frei zu erkunden. Jede der beiden Kammern verfügte über einen anderen Geruch und eine andere Oberfläche. Hatten die Tiere ihren bevorzugten Platz ausgesucht, wurde ihnen Kokain injiziert. Mittels Lasermikroskopie wurde in den Gehirnen der Mäuse nach den dendritischen Dornen gesucht.

Neue Erinnerungen durch Droge

Die Tests haben gezeigt, dass sich mehr dendritische Dornen bildeten, wenn den Tieren anstelle von Wasser Kokain injiziert wurde. Damit liegt nahe, dass mit dem Drogenkonsum auch neue Erinnerungen geschaffen wurden. Der Unterschied konnte innerhalb von zwei Stunden nach der ersten Dosis Kokain festgestellt werden.

Laut Wilbrecht liefern diese Bilder klare Beweise dafür, dass Kokain zu einer raschen Zunahme neuer Dornen führt. "Je mehr Dornen die Mäuse ausbildeten, desto mehr hatten sie auch über die Droge gelernt. Damit wird ein möglicher Mechanismus beim Drogenkonsum erklärbar, der dazu führt, dass wieder ein Verlangen nach dieser Substanz entsteht." Mit diesen Veränderungen im Gehirn könnte auch erklärt sein, wie das Suchtverhalten beim Menschen für das Treffen von Entscheidungen zum dominierenden Faktor wird.


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Dienstag, 13. August 2013

Orientierung: Rasterzellen beim Menschen erkannt

Forscher weisen veränderte Zellaktivitäten bei Alzheimerpatienten nach

Orientierung: Rasterzellen auch beim Menschen
(Foto: pixelio.de, Rosi v. Dannen)

Philadelphia (pte008/05.08.2013/11:15) - Forscher der Drexel University haben erstmals die Zellen im Gehirn beim Menschen identifiziert, die Tieren dabei helfen, sich zu orientieren. Bereits bekannt ist, dass Tiere drei Zelltypen nutzen, um sich in der Umgebung zurechtzufinden. Richtungszellen werden nur dann aktiv, wenn ein Tier auf eine entsprechende Situation trifft. Platzzellen sind zuständig, wenn es um bestimmte Orte geht und Rasterzellen geben in regelmäßigen Abständen Signale ab, wenn sich das Tier bewegt und es zur Veränderung der Umgebung kommt.

Computerspiel als Testumgebung

Rasterzellen senden Informationen an Platzzellen und beide Zellarten schicken Informationen an den Hippokampus, der für die Entstehung von Erinnerungen zuständig ist. Gemeinsam ermöglicht dieses Netzwerk eine mentale Darstellung des aktuellen Ortes, an dem sich ein Tier befindet. Richtungszellen und Platzzellen wurden bereits beim Menschen identifiziert. Auf Rasterzellen haben bisher jedoch nur Gehirnscans hingewiesen. Das Team um Joshua Jacobs wollte herausfinden, ob es diese Zellen beim Menschen wirklich gibt.

Die Forscher testeten 14 Patienten, denen im Rahmen der Epilepsiebehandlung Elektroden ins Gehirn implantiert worden waren. Anschließend wurden die Gehirnaktivitäten der Freiwilligen aufgezeichnet. Währendessen spielten die Teilnehmer ein Computerspiel, in dem sie durch eine Landschaft fuhren, nach Objekten suchten und sich erinnern sollten, wo sie diese gefunden hatten. In einem nächsten Schritt sollten die Objekte so rasch wie möglich gefunden werden. Sie blieben so lange unsichtbar, bis die korrekte Position erreicht war.

Präfrontaler Kortex entscheidend

Bei den Tests in der virtuellen Landschaft fehlten jedoch deutliche Markierungen, die eingesetzt werden hätten können, um sie mit der Position von Objekten in Zusammenhang zu bringen. Die Wissenschaftler wollten, dass die Teilnehmer eine geistige Landkarte der einzelnen Objekte erstellten. Dafür würden sie jedoch Rasterzellen benötigen. Es zeigte sich, dass die Einzelzellen wie bei den Tieren als Reaktion auf ein ähnliches Muster reagierten. Wie bei Tieren wurden die meisten dieser Zellen im entorhinalen Kortex nachgewiesen, der für Orientierung und das Gedächtnis zuständig ist, aber auch im cingulären Kortex, der für das Lernen verantwortlich ist, kamen sie vor.

Überraschend war, dass diese Zellen auch im präfrontalen Kortex nachgewiesen werden konnten, der ebenfalls bei der Bildung neuer episodischer Erinnerungen eine Rolle spielt. Dazu gehören zum Beispiel die Erinnerungen an Ereignisse, die an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit stattgefunden haben.

Laut Jacobs kommt es bei Patienten mit Alzheimer zu einer ungewöhnlichen Aktivität des entorhinalen Kortex. Den Betroffenen fällt es manchmal schwer, sich zurechtzufinden. Der Wissenschaftler hält die Entwicklung von Medikamenten oder Verfahren zur Gehirnstimulation für denkbar, die helfen könnten, die Aktivität der Rasterzellen zu verbessern. Die Forschungsergebnisse wurden in Nature Neuroscience veröffentlicht.


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Donnerstag, 8. August 2013

Kakao verbessert Blutversorgung des Gehirns

Positive Wirkung vor allem bei älteren Menschen nachgewiesen

Trinkschkolade: Kakao hält das Gehirn länger fit
(Foto: pixelio.de, H. Souza)

Boston (pte014/08.08.2013/11:15)
Ältere Menschen, die jeden Tag Kakao trinken, können ihre Gehirne länger gesund halten, sagen Forscher der Harvard Medical School. Das Team um Farzaneh Sorond fand heraus, dass bei 60 älteren Personen ohne Demenz zwei Tassen Kakao pro Tag ausreichen, um den Blutfluss im Gehirn zu verbessern. Jene Teilnehmer, die das Experiment wagten, schnitten bei Gedächtnistests besser ab, wie Neurology berichtet.

Flavanole spielen wichtige Rolle

Die aktuelle Studie ist jedoch nicht die erste, die Kakao mit der Gesundheit der Gefäße in Zusammenhang bringt. Die Forscher gehen davon aus, dass dafür zum Teil der hohe Anteil an Flavanolen verantwortlich sein könnte. Für die aktuelle Studie wurden 60 Personen mit einem Durchschnittsalter von 73 Jahren ersucht, zwei Tassen Kakao pro Tag zu trinken. Eine Gruppe erhielt Kakao mit einem hohen Anteil an Flavanolen, die andere Kakao mit nur einem geringen Anteil. Zusätzlich wurden die Teilnehmer ersucht, keine Schokolade zu essen.

Ultraschalltests zu Beginn der Erhebung haben gezeigt, dass die Blutversorgung des Gehirns bei 17 Personen eingeschränkt war. Es gab keinen Unterschied zwischen jenen, die die eine oder andere Sorte Kakao tranken. Je nachdem, welche Art Kakao getrunken wurde, verbesserte sich jedoch bei 88 Prozent der Teilnehmer mit einem eingeschränkten Blutfluss der Zustand und sie schnitten auch bei kognitiven Tests positiver ab. Das galt nur für 37 Prozent der Personen, deren Blutversorgung zu Beginn der Studie normal gewesen war.

Neurovakuläre Kopplung wird erst erforscht

Laut Sorond lernen die Wissenschaftler mehr über die Blutversorgung des Gehirns und die Auswirkungen auf die Denkfähigkeit. "Verschiedene Bereiche des Gehirns benötigen für das Erfüllen ihrer Aufgaben mehr Energie und daher auch eine bessere Blutversorgung. Diese neurovaskuläre Kopplung könnte auch bei Krankheiten wie Alzheimer eine wichtige Rolle spielen", so Sorond. Den fehlenden Unterschied zwischen den beiden Kakaoarten führen die Forscher darauf zurück, dass unter Umständen auch ein anderer Bestandteil des Getränks wirksam wird oder dass nur eine geringe Menge an Flavanolen für einen positiven Effekt notwendig ist.


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Montag, 5. August 2013

Brain-Computer-Interfaces vor dem Durchbruch

Wissenschaftler rufen bei Mäusen falsche Erinnerungen hervor

Maus: falsche Erinnerungen werden hervorgerufen
(Foto: pixelio.de, U. Velten)

Saitama (pte003/05.08.2013/06:10) - Die Forschung ist dem Manipulieren von Erinnerungen und dem Herunterladen von Befehlen aus Computern direkt in das Gehirn einen Schritt nähergekommen. Dem Riken-M.I.T, Center for Neural Circuit Genetics ist es gelungen, bei Mäusen falsche Erinnerungen hervor­zurufen. Die Forscher schreiben in Science, dass die Tiere dazu gebracht wurden, sich an einen Elektro­schock an einer bestimmten Position zu erinnern, der in der Wirklichkeit an einer völlig anderen Stelle zugefügt worden war.

Erinnerungen mit neuer Bewertung

Obwohl es den Wissenschaftlern nicht gelang, völlig neue Gedanken zu erschaffen, konnten sie bestehende Erinnerungen jedoch mit positiven oder negativen Gefühlen in Zusammenhang bringen. Laut Steve Ramirez, einem der beteiligten Neurowissenschaftler, ging es nicht darum, neue Erinnerungen zu schaffen, sondern zwei verschiedene Arten von Erinnerungen miteinander zu verknüpfen.

"Wir haben eine neutrale Erinnerung genommen, die wir künstlich in eine negative umgewandelt haben." Das klingt vielleicht nicht nach einem großen Fortschritt und ist sicher auch keine gute Art, Mäuse zu behandeln. Es braucht jedoch nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass diese Forschung eines Tages zur Manipulation des Geistes mittels eines Computers führen könnte. Denkbar ist zum Beispiel laut Ramirez die Behandlung von Erkrankungen wie posttraumatischen Belastungsstörungen.

Hollywood-Visionen werden Realität

Forscher arbeiten bereits an Brain-Computer-Interfaces, die es ermöglichen sollen, unsere Smartphones oder Computern nur über den Geist zu bedienen. Es gibt bereits Gadgets, die Gedanken lesen können und es ermöglichen, virtuelle Objekte in einem Computerspiel zu manipulieren oder Schalter nur mit der Kraft der Gedanken ein- und wieder auszuschalten.

Die Wissenschaftler jedoch, die an der Manipulation der Erinnerungen arbeiten, scheinen die Grenzen des bisher Möglichen am weitesten zu verschieben. In zahlreichen Hollywood-Filmen wie "Eternal Sunshine of the Spotless Mind" kann ein Darsteller bereits einen Service nutzen, um die Erinnerungen an seine frühere Freundin aus dem Gedächtnis zu löschen.


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Dienstag, 23. Juli 2013

Mikrochips imitieren menschliches Gehirn

Forscher entwickeln erste Bauteile für künstliches neuronales Netzwerk

ETH Zürich: Forscher verwenden künstliche Neuronen
(Foto: flickr/Soham Banerjee)

Zürich (pte026/23.07.2013/13:44) - Forscher des Instituts für Neuroinformatik der Universität Zürich und der ETH Zürich haben demonstriert, wie kognitive Fähigkeiten in elektronische Systemen eingebaut werden können. Sie verwenden neuromorphe Mikrochips, die den Informationsverarbeitungsprozess des menschlichen Gehirns in Echtzeit imitieren.

Kognitive Fähigkeiten

Der gängige Ansatz zur Erforschung des menschlichen Gehirns in der Neuroinformatik ist die Simulation von neuronalen Netzwerken mit Hilfe von Computern. Die Schweizer Forscher gehen einen anderen Weg und entwickeln elektronische Schaltungen, die jenen eines echten Gehirns in Größe, Geschwindigkeit und Energieverbrauch gleichen. "Die Mikrochips imitieren mittels Algorithmen das Verhalten von Neuronen und Synapsen bei der Informationsverarbeitung", erklärt Giacomo Indiveri vom gemeinsamen Institut für Neuroinformatik der Universität Zürich und der ETH Zürich gegenüber pressetext.

Die Schweizer Forscher haben diese sogenannten neuromorphen Chips nun erstmals in einem künstlichen System eingesetzt. Dieses ist in der Lage, in Echtzeit auf sensorische Einflüsse zu reagieren und besitzt somit kognitive Fähigkeiten. In einer ersten Demonstration wurde eine komplexe sensomotorische Aufgabe erfüllt, wie sie bei Kognitionstests für Primaten üblich sind. Das System konnte die Regeln des Experiments verstehen und das vorgegebene Problem lösen.

Einsatz in der Robotik

Das Ergebnis ist ein Echtzeit-Datenverarbeitungssystem, das aus Mikrochips besteht, die dem menschlichen Gehirn nachempfunden sind. Das Verhalten des Systems wird dabei durch den Benutzer vorgegeben. Konkrete Anwendungsgebiete wären Sprach- und Gestenerkennung in der Robotik durch die weitere Kombination der Chips mit künstlichen Hörorganen oder Netzhäuten.

"Ziel der Forschungen ist, die Funktionsweise des Gehirns besser zu verstehen und dessen Lösungsstrategien auf andere Technologien anzuwenden", so Indiveri. Die neuromorphen Systeme werden herkömmliche Computersysteme auch nicht ersetzen, sondern ergänzen und können speziell dort eingesetzt werden, wo die Chiptechnologie an ihre Grenzen stößt. Die immer weitere Verkleinerung von Mikrochips bringt Unzuverlässigkeit und Ungenauigkeiten mit sich. Das Gehirn hingegen ist mit seinen ebenfalls unpräzisen und langsamen Neuronen in der Lage, genaueste Ergebnisse zu liefern und kann somit als Vorbild dienen, erklärt der Forscher.


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Freitag, 19. April 2013

Babys: Forscher geben Einblick ins Bewusstsein

EEG zeigt Veränderungen der Gehirnaktivität - 80 Kinder untersucht

Baby: Gehirn entwickelt sich sehr rasch
(Foto: pixelio.de, Gerrit Schmit)

Paris (pte007/19.04.2013/10:15) - Einen Blick vom Bewusstsein, das in den Gehirnen von Babys entsteht, haben Forscher der Ecole Normale Supérieure erstmals aufgezeichnet. Dies könnte bei der Über­wachung während der Narkose helfen und Einblicke in das Bewusstsein im Wachkoma oder sogar bei Tieren ermöglichen. Das menschliche Gehirn entwickelt sich während des ersten Lebensjahres sehr rasch. Das Baby gelangt von einem unbewussten Zustand in einen, in dem es die Umwelt komplett wahrnimmt.

Zweigeteiltes Muster

Das Team um Sid Kouider nutzte Verfahren der Magnet­resonanz­tomographie, um die elektrische Aktivität in den Gehirnen von 80 Kindern aufzu­zeichnen. Dabei wurden ihnen kurz Fotos von Gesichtern gezeigt. Bei Erwachsenen steht das Erkennen eines Reizes mit einem zweigeteilten Muster der Gehirnaktivität in Zusammenhang. Details der Studie wurden im Fachmagazin Science veröffentlicht.

Sofort nachdem ein visueller Reiz angeboten wird, werden Bereiche des visuellen Kortex aktiv. Rund 300 Millisekunden später werden andere Bereiche wie auch der präfrontale Kortex aktiv, die mit höheren kognitiven Vorgängen in Zusammenhang stehen. Das Bewusstsein schaltet sich nur ein, wenn der zweite Teil der neuronalen Aktivität eine bestimmte Grenze erreicht. Es handelt sich dabei um eine Alles-oder-Nichts-Reaktion.

Tests über EEG-Kappen

Erwachsene können verbal beschreiben, dass sie sich dieses Reizes bewusst sind. Ein Baby ist jedoch wie ein geschlossenes Buch. Laut Tristan Bekinschtein von der University of Cambridge wissen Forscher viel über das Bewusstsein von Menschen, die sprechen können und nur sehr wenig über jene, die dazu nicht in der Lage sind.

Für die aktuelle Studie wollten die Wissenschaftler herausfinden, ob eine ähnliche Signatur bewusster Wahr­nehmung auch bei Kindern vorhanden ist, die noch nicht sprechen können. Sie statteten Babys mit fünf, zwölf und 15 Monaten mit EEG-Kappen aus und zeichneten die Gehirnaktivität während einer Reihe rasch wechselnder Bilder auf. Bei den meisten Bildern handelte es sich um Ovale mit einem zufälligen Muster. Darunter war jedoch auch ein Gesicht, das nur zwischen 17 und 300 Millisekunden lang erkennbar war.

Andere Informationsverarbeitung

Jede Gruppe reagierte auf das Gesicht mit dem erwarteten zweigeteilten Muster. Der zweite Teil, die Aktivität mit bewusster Wahrnehmung, war jedoch bei den Kindern mit fünf Monaten viel langsamer und weniger ausgeprägt als bei jenen mit zwölf Monaten. Bei den ältesten Kindern wurde das zweite Stadium zwischen 800 und 900 Millisekunden nach dem Zeigen des Bildes erreicht. Bei den 15 Monate alten Kindern lag dieser Wert durchschnittlich bei 300 Millisekunden.

Babys verfügen laut Kouider über die gleichen Mechanismen wie Erwachsene. Sie sind allerdings sehr langsam. "Es geschehen Dinge im Gehirn. Sie können mit diesen Informationen allerdings nichts anfangen." Die Studienergebnisse liefern jedoch keinen direkten Beweis für eine subjektive Erfahrung. Die Veränderungen in der Gehirnaktivität weisen auf die Entwicklung der visuellen Wahrnehmung hin. Es ist jedoch nicht klar, ab wann das zweite Stadium so kurz ist, dass eine bewusste Wahrnehmung einsetzen kann.


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Montag, 11. März 2013

Lernen: Gehirnstimulation hat nicht nur Vorteile

Schnellere Verarbeitung - TES beeinträchtigt automatische Fähigkeiten

Lernen: Gehirn hat trotz Hightech seine Grenzen
(Foto: pixelio.de, luise)

Oxford (pte019/11.03.2013/13:55) - Das Stimulieren des Gehirns mit elektrischen Signalen kann einige Fähigkeiten verbessern, aber auch andere reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommt die University of Oxford. Die Transkranielle Elektrische Stimulation (TES) erfolgt durch das Anbringen von Elektroden auf der Kopf­oberfläche. Nachgewiesen ist, dass sie die Lern­geschwindig­keit verdoppeln kann. Das Team um Roi Cohen Kadosh hat jetzt nachgewiesen, dass auch Nachteile entstehen können. Details wurden im Journal of Neuroscience veröffentlicht.

Zuordnen von Symbolen

Die Wissenschaftler zeigten den Probanden Paare unbekannter Symbole. Jedes Symbol verfügte über einen geheimen numerischen Wert. Die Aufgabe bestand darin, so rasch wie möglich ohne Fehler anzugeben, welches der beiden Symbole den höheren Wert besaß. Anschließend wurde die richtige Antwort angezeigt. Innerhalb von sechs Sitzungen in einer Woche war es möglich festzustellen, wie rasch und effizient die Teilnehmer den Wert jedes einzelnen Symbols gelernt hatten.

Für eine zweite Aufgabe mussten die Teilnehmer feststellen, welches der beiden Symbole größer war. Bei diesem Test wurde auf das automatische Denken abgezielt - Fähigkeiten wie Lesen, Autofahren oder Treppensteigen, die laut Cohen Kadosh vorhanden sind, ohne dass daran gedacht werden muss. Der Wissenschaftler führte die Experimente gemeinsam mit Teresa Iucalano vom Stanford Cognitive and Systems Neuroscience Laboratory durch.

Gehirn reagiert unterschiedlich

Während des Tests wurde bei einem Teil der Teilnehmer der hintere Parietallappen mittels TES stimuliert, der für das numerische Lernen von entscheidender Bedeutung ist. Bei einer anderen Gruppe wurde der dorsolaterale präfrontale Kortex stimuliert, der entscheidend für den Automatismus ist. Eine Gruppe erhielt ohne ihr Wissen eine Scheinbehandlung. Jene, deren hinterer Parietallappen behandelt worden war, schnitten bei der Lernaufgabe besser ab. Sie waren es aber auch, die bei der Automatismus-Aufgabe am schlechtesten abschnitten.

Genau das Gegenteil passierte bei der Gruppe, deren dorsolateraler präfrontaler Kortex stimuliert worden war. Die Kontrollgruppe schnitt bei beiden Aufgaben durchschnittlich ab. Laut Kadosh ist damit nachgewiesen, dass TES auch ihren Preis haben kann. Der Forscher arbeitet an einer Lösung dieses Problems. Denkbar ist zum Beispiel die Stimulation beider Gehirnregionen zu verschiedenen Zeitpunkten. "Wenn es Nebenwirkungen gibt, müssen wir die Stimulation optimieren, um die Nebenwirkungen einzuschränken oder zu beseitigen."


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Freitag, 8. März 2013

Gehirn-Vorbild verspricht bessere Hörgeräte

Neue Algorithmen sollen Tricks des menschlichen Hörens nachahmen

Hörgerät: Forscher verbessern Leistung erheblich
(Foto: Hans Snoek, pixelio.de)

Southampton (pte003/08.03.2013/06:10) - Forscher in Groß­britannien wollen Hörgeräte ermöglichen, die Sprache besser von Umgebungslärm unterscheiden und somit gezielt hervorheben können. Dazu sollen neue Algorithmen das Hören im menschlichen Gehirn nachahmen. "Wir wollen endlich den Durchbruch schaffen zu verstehen, wie Neuronen im Hirnstamm die Signale - Sprache und Geräusch - abbilden und trennen", erklärt Stefan Bleeck vom Institute of Sound and Vibration Research an der University of Southampton gegenüber pressetext. Denn das Prinzip mit Algorithmen nachzubilden könnte viel mehr bringen als heutige Ansätze.

Hörgeräte brauchen Hilfe

Klassische Hörgeräte sind für Träger oft nur mäßig nützlich, da sie jedes Geräusch gleich verstärken und so beispielsweise das Verstehen von Sprache schwer machen. Inzwischen gibt es zwar technologische Ansätze, die Abhilfe schaffen sollen, doch sie können das nur bedingt. "Die beste Möglichkeit, das Signal-Rausch-Verhältnis zu verbessern, sind Richtungsmikrofone", sagt Bleeck. Denn sie bringen bis zu 15 Dezibel Gewinn an Lautstärke. Doch verstärken sie eigentlich nicht nur die Sprache. "Der große Effekt kommt davon, dass der Träger den Kopf zur Quelle hindrehen kann", betont der Forscher.

Andere Premium-Features von Hörgeräten wie beispielsweise digitale Rauschunterdrückung wiederum haben Bleeck zufolge das Problem, dass die Anwender oft nicht wissen, wie sie diese überhaupt aktivieren oder optimal einstellen. Außerdem verbessern sie die Sprachqualität, aber nicht deren eigentliche Erkennung. "Das ist natürlich wichtig und dient einem höheren Komfort, aber Sprache ist nicht wirklich leichter zu verstehen", meint der Experte. Genau hier soll der neue Ansatz einen wesentlichen Vorteil bringen, weil er wirklich gesprochenes Wort und Umgebungsgeräusch trennt - wie das Gehirn, wenn es Lärm praktisch ausblendet.

Neuronen als Vorbild

Das Team, dem auch Forscher der Universität Cambridge angehören, nehmen an, dass das Gehirn beim Hören eine Form des "Sparse Coding" nutzt, bei dem relativ wenige Neuronen stark aktiv sind, um Signal - also relevante Klänge wie Sprache - und Rauschen zu trennen. Sie wollen den genauen Mechanismus in einzelnen Neuronen erforschen, um dann neue Algorithmen für die Signalverarbeitung zu entwickeln, die Sprache und Umgebungsgeräusche komplett trennen. "Dann können wir den Ton in Hörgeräten neu mischen, mit reduziertem Rauschen, aber intakter Qualität, um die Verständlichkeit der Sprache zu verbessern", hofft Bleeck.

Noch ist es aber zu früh, die möglichen Verbesserungen durch den Ansatz zu quantifizieren. Das Team hat aktuell eine Finanzierung vom Engineering and Physical Sciences Research Council erhalten, die erst wirkliche Detailarbeit erlaubt. "Wir haben dabei zum ersten Mal eine sehr enge Verknüpfung von Neurowissenschaften und Signalverarbeitung", betont der Forscher. Wenn alles gut geht, soll der Ansatz aber innerhalb von fünf Jahren in Hörgeräten zum Einsatz kommen. Interesse seitens Geräteherstellern besteht jedenfalls, Siemens ist ein Partner bei dem Projekt.


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Samstag, 23. Februar 2013

Facebook hält betagte Gehirne fit

Ständige Updates fördern kognitive Fähigkeiten

Alter Mann: Facebook hält Gehirn fit
(Foto:pixelio.de, N. Kryvosheyev)

Tucson/Wien (pte004/23.02.2013/06:15) - Facebook-Aktivitäten halten das Gehirn von älteren Menschen fit. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Untersuchung der University of Arizona, wofür 14 Probanden im Alter zwischen 68 und 91 Jahren aufgefordert wurden, sich einen Facebook- und einen Penzu-Account - ein privates Online-Tagebuch - anzulegen. Die Forscher haben herausgefunden, dass Nutzer der Social-Media-Plattform bei kognitiven Tests um 25 Prozent besser abgeschnitten haben als diejenigen, die nicht mit anderen Personen interagieren. Die Wissenschaftler meinen, dass das sich ständig ändernde soziale Medium in Bezug auf jegliche Updates die Denkfähigkeit fördert.

Ältere wahrscheinlich überfordert

Die Facebook-Nutzer mussten sich für die Erhebung mit Teilnehmern aus der Testgruppe anfreunden und mindestens ein Mal täglich ein Posting erstellen. Vor dem Experiment wurden Faktoren wie Einsamkeit und soziale Unterstützung sowie die kognitive Fähigkeit jedes Einzelnen bewertet.

"Ich kann mir vorstellen, dass die ständigen Veränderungen die kognitiven Fähigkeiten begünstigen. Ich bezweifle jedoch, dass sich diese Zielgruppe auf dem sozialen Netzwerk besonders tummelt - und wenn doch, dass sie eher überfordert sind", erläutert Social-Media-Fachmann Jonny Jelinek von Webfeuer gegenüber pressetext. Sogar junge User hätten oftmals Schwierigkeiten, mit den Updates nachzukommen.

Der Experte vermutet, dass ältere Menschen vielmehr die traditionelle Kontakthaltung bevorzugen, da sie diese bereits gewohnt sind. "Älteren fällt es schwerer, sich auf Neues einzulassen. Zuerst müssten sie sich mit dem Internet selbst beschäftigen, was schon Skepsis und Hindernisse mit sich bringt. Nächster Schritt wäre dann die Auseinandersetzung mit sozialen Netzwerken", so Jelinek.

Familienkontakt über Distanz erleichtert

Dennoch wächst die Zahl der älteren Generationen auf sozialen Medien, die diese zu ihrem Vorteil nutzen. Diese wird sich laut dem Spezialisten weiterhin vermehren. "Immer mehr Eltern melden sich auf Facebook an, da sie wissen möchten, was deren Kinder online machen und auch selbst merken, dass die Seite nützlich sein kann. Mit Hilfe von sozialen Netzwerken können aber auch Ältere vor allem mit den Enkeln oder mit Familienmitgliedern, die beispielsweise im Ausland leben, Kontakt halten", schließt der Experte ab.


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