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Montag, 13. Januar 2014

Fit durch Gedächtnistraining (ZIB)

Beitrag zum Gedächtnistraining (ZIB vom 13.01.2014)

Gedächtnistraining-Beitrag: Durch Training fit
(Foto: ORF.at)

Baltimore/USA, Wien (01.27.2014, ZIB) Wer fit bleiben will, muss trainieren - das gilt auch für das Gehirn. Wobei geistiges Training auch langfristig wirkt, wie US-Wissenschafer jetzt heraus­gefunden haben. Wenige Wochen intensives Gehirn-Jogging sind noch nach zehn Jahren messbar.

Studie an Senioren

Fast 3000 Probanden in den USA haben an der Studie teilgenommen. Durchschnitts­alter 74 Jahre, alle geistig gesund. Sie unterzogen sich einem mehr­wöchigen Gehirn­training in zwölf Lektionen zu je einer Stunde. Trainiert wurden Gedächtnis, Denkfähigkeit und rasches Kombinieren.

Gedächtnistraining wirkt langfristig

Nach Abschluss dieses Trainings wurden die Versuchs­personen über Jahre beobachtet. Die Gedächtnis­leistung hat zwar innerhalb von fünf Jahren nach dem Training wieder nachgelassen, aber die Denk­fähigkeit und die Verarbeitungs­geschwindigkeit des Gehirns waren auch nach zehn Jahren noch messbar besser.

Eine Sensation für die Wissenschafter der John Hopkins Universität in Baltimore. Es beweist, wie nachhaltig geistige Anstrengung im hohen Alter Demenz entgegen wirkt.

Resultate durch österreichische Mediziner bestätigt

Zu ganz ähnlichen Ergebnissen sind vor einiger Zeit Mediziner des Wiener Donauspitals gekommen. Sie beobachteten 600 Alzheimer-Patienten über zehn Jahre, wobei geistig besonders aktive Personen in Tests dauerhaft gut abschnitten und die Demenz deutlich verzögern konnten.

Video: Gedächtnistraining-Beitrag aus der ZIB vom 13.01.2014

Transkript des ZIB-Beitrags zum Thema Gedächtnistraining


Dieser Artikel wurde vom ORF veröffentlicht und war einige Tage unter http://tvthek.orf.at/program/Zeit-im-Bild/1203/Zeit-im-Bild/7348387/Gedaechtnistraining/7348629 abrufbar.

Donnerstag, 4. Juli 2013

Geistige Aktivität schützt das Gehirn vor Demenz

Lebensstil beeinflusst mentale Gesundheit im Alter

Sudoku: mit dem Alter werden Rätsel schwieriger
(Foto: pixelio.de/Petra Bork)

Chicago (pte011/04.07.2013/12:30)
Geistig aktiv zu bleiben, kann das Gehirn im Alter vor einer Demenz schützen. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie des Rush University Medical Center gekommen. Ein Leben voll geistiger Herausforderungen führt laut dem Team um Robert Wilson zu einem langsameren geistigen Abbau. Die in Neurology veröffentlichten Studienergebnissse verleihen dem Konzept weiteres Gewicht, dass das Einsetzen einer Demenz durch den Lebensstil beeinflusst werden kann.

Die Wissenschaftler testeten 294 Personen ab einem Alter von 55 Jahren in Hinblick auf Gedächtnis und Denkfähigkeit. Diese Tests wurden im Durchschnitt sechs Jahre lang bis zum Tod der Studienteilnehmer durchgeführt. Sie füllten zusätzlich einen Fragebogen aus, ob sie Bücher lasen, Briefe schrieben oder an anderen Aktivitäten teilnahmen, die die geistige Aktivität anregen. Nach dem Tod wurden die Gehirne auf Anzeichen einer Demenz wie Läsionen oder Plaquen untersucht.

Geistiger Verfall kann deutlich verlangsamt werden

Nach der Berücksichtigung dieser Faktoren zeigte sich, dass jene Teilnehmer, die geistig aktiv waren, einen um 15 Prozent langsameren Verfall ihrer geistigen Fähigkeiten erlitten hatten. Wilson betont, dass diese Ergebnisse nahelegten, dass lebenslange geistige Aktivitäten wichtig für die Gesundheit des Gehirns im Alter sind. Er erklärte gegenüber BBC News, dass das Gehirn, das wir im Alter haben, teilweise davon abhängt, wie wir es in unserem Leben beansprucht haben. "Was wir in unserem Leben tun, hat große Auswirkungen auf die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Krankheiten, die das Gehirn in Mitleidenschaft ziehen." Allein in Großbritannien leiden derzeit mehr als 820.000 Menschen an einer Demenz.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20130704011 abrufbar.

Mittwoch, 7. November 2012

Hoher Blutdruck lässt Gehirn frühzeitig altern

Auch bei 30-Jährigen kann es zu Gedächtnisverlust kommen

Blutdruck messen: Hypertonie greift Gehirn an
(Foto: pixelio.de, D. Schütz)

Davis/Heidelberg (pte003/07.11.2012/06:10) - Ein nur leicht erhöhter Blutdruck lässt das menschliche Gehirn altern, was zu Gedächtnisproblemen und folglich zu Demenz und Alzheimer führen kann. Das hat eine aktuelle Untersuchung der University of California Davis ergeben. Ein Blutdruck, der über dem optimalen Wert von 120/80 liegt, stellt in den meisten Fällen bereits eine Gefährdung dar. Selbst Menschen ab 30 sind laut den Experten von den negativen Effekten betroffen.

Risiko bei jedem Zweiten ab 60

Für die Erhebung wurden Gehirn-Scans von rund 600 Personen zwischen 30 und 40 Jahren gemacht, die in drei Gruppen, bestehend aus hypertensiven, prehypertensiven sowie Menschen mit normalem Blutdruck, geteilt wurden. Experten nehmen an, dass durch Bluthochdruck eine Versteifung oder Verhärtung der Arterien verursacht wird und somit die Blut- und Sauerstoffzufuhr zum Gehirn behindert.

Die Gehirn-Scans der 30-Jährigen mit hohem Blutdruck waren ähnlich deren der 40-Jährigen mit normalem Blutdruck. "Hypertonie kann nicht nur zu Gedächtnisverlust führen, sondern birgt auch Gefahren wie Schlaganfall, wobei es zu Mikroangiopathie, Gefäßverschluss oder Gefäßzerreißung kommen kann, sowie Herzinfarkt, Nierenerkrankungen oder Gefäßschädigungen", so Joachim Leiblein, Geschäftsführer der Deutschen Hochdruckliga, gegenüber pressetext. Laut dem Experten ist Schätzungen zufolge jeder Zweite ab 60 von Bluthochdruck betroffen.

Mehrere Risikofaktoren spielen mit

Dass es bei Betroffenen von Hypertonie zu Gedächtnisverlusten kommt, hängt laut dem Fachmann von einer Vielzahl von Risikofaktoren wie Gefäßschädigungen im Gehirn, übermäßiger Alkohol- und Zigarettenkonsum sowie falscher Ernährung ab.

Maßnahmen zur Prävention beziehungsweise zur Regulierung des Bluthochdrucks können einerseits medikamentös und andererseits auch durch ein aktives Vorgehen der Betroffenen sein. "Menschen sollten zum einen bei Übergewicht abbauen und das Körpergewicht normalisieren, da dadurch der Bluthochdruck gesenkt wird", erklärt Leiblein. Bewegung, Ernährung und vor allem Stressabbau helfen den Gefahren der Hypertonie entgegenzuwirken.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20121107003 abrufbar.

Freitag, 14. September 2012

Destruktive Hirnalterung bei Labormäusen erforscht

Betagte Zellen schädigen wie "faule Äpfel" umliegendes Gewebe

Gehirnwindungen: Alterungsprozess auf der Spur
(Foto: pixelio.de, Gerd Altmann)

Marburg/Newcastle (pte016/14.09.2012/13:55) - Ein Forscherteam um Thomas von Zglincki von der Universität in Newcastle ist dem Alterungsprozess von Zellen im Gehirn etwas näher gekommen. Sie konnten bei Mäusen belegen, dass sich alternde Zellen im Gehirn wie ein "fauler Apfel im Korb" verhalten, da sie auch die Zellen in der Nachbarschaft beschädigen. Ob sich diese Wirkungsweise so jedoch auch beim Menschen zeigt, muss noch analysiert werden.

Für Demenzforschung wichtig

"Wir müssen nun herausfinden, ob die gleichen Mechanismen, die wir im Gehirn von Mäusen festgestellt haben, hinsichtlich der Hirnalterung bei Menschen ähnlich funktionieren", sagt Zglincki. Sollte dies der Fall sein, sei man in der Erforschung der Hirnalterung einen großen Schritt nach vorne gekommen. Die Erkenntnisse könnten helfen, Krankheiten wie Demenz oder altersbedingten Hörverlust besser zu verstehen.

"Unsere Arbeit wird fortgesetzt, im zweiten Schritt werden wir prüfen, ob sich im menschlichen Gehirn Schäden aus einem Bereich auf das gesamte Gehirn ausbreiten", sagt Zglincki. Die Zellen im Gehirn haben nicht - wie etwa Hautzellen - die Fähigkeit, sich zu teilen. "Für die Zellen, die sich teilen, gibt es schon seit Längerem Erkenntnisse über den Alterungsprozess", sagt Jörg Schulz, Direktor der Neurologischen Klinik der Universität Aachen, gegenüber pressetext.

Noch nicht auf Menschen übertragbar

Laut Schulz ist die Entdeckung der britischen Forscher "überhaupt nicht überraschend". "Wir haben schon 1999 eine Arbeit veröffentlicht, in der wir beschrieben haben, dass freie Radikale bei der Zellalterung im Hirn eine Rolle spielen." Zudem sei die Vermutung, dass der Alterungsprozess der Gehirnzellen bei Menschen so wie bei Mäusen abläuft, sehr theoretisch. "Das sei einmal dahingestellt", urteilt Schulz.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20120914016 abrufbar.

Freitag, 6. Juli 2012

Bienen können Gehirnalterung rückgängig machen

Gesteigerte Lernfähigkeit durch Übernahme sozialer Aktivitäten

Bienen: sollen über Menschenhirn Auskunft geben
(Foto: pixelio.de/Dumat)

Aas/Wien/Hamburg (pte001/06.07.2012/06:00) - Betagte Honigbienen können ihrem Gehirn eine Art "Verjüngungskur" verpassen: Übernehmen sie soziale Aufgaben im Bienenstock, die gewöhnlich jüngere Artgenossen erledigen, werden sie dadurch lern­fähiger und verändern ihre grauen Zellen auf Molekül­ebene. Das berichten Forscher von der Norwegian University of Life Sciences mit US-Kollegen in der Zeitschrift "Experimental Gerontology". Vielleicht fördern auch beim Menschen ähnliche Interventionen die geistige Frische bis ins hohe Alter, hoffen die Wissenschaftler.

Ältere Babysitter

Im Experiment entfernten die Forscher alle Ammenbienen aus einem Bienennest und ließen die Königinnen allein bei den Bienenlarven zurück. Nachdem die Sammelbienen, die älter sind als die Ammen, von ihrer Arbeit zurückgekommen waren, organisierte sich der Stock binnen kurzem neu: Einige Sammelbienen machten sich wieder auf Nahrungssuche, die anderen blieben im Nest und kümmerten sich um den Nachwuchs.

Nach zehn Tagen übertrafen die neuen "Babysitter" ihre gleichsemestrigen Kollegen in der Lernfähigkeit signi­fikant. Eine Untersuchung des Gehirns zeigte zudem, dass nur sie das Protein Prx6 gebildet hatten, das auch bei Menschen in einigen Organen Zellen vor Beschädigung durch Stress schützt, sowie ein zweites Begleiterprotein. Forschungsleiter Gro Amdam vermutet, dass beide Eiweiße eine Spontanreaktion auf spezifische Anforderungen durch neue soziale Erfahrungen sind, für die es auch beim Menschen Pendants geben könnte.

Aktiv gegen den Gehirntod

"Während ein monotones Leben ohne Herausforderungen oder Krankheiten wie Depressionen das Gehirn auf Sparflamme laufen lässt, hält Neugier anpassungsfähig", erklärt Katharina Pils, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie, gegenüber pressetext. Beispiele liefern hochbetagte Dirigenten oder Schauspieler, die bei der Übernahme von stets neuen Rollen länger aktiv bleiben. Aus dieser Perspektive sei die Verlängerung des Arbeitslebens ebenso sinnvoll wie ein Berufswechsel alle sieben Jahre oder eine verantwortungsvolle Tätigkeit im Ehrenamt.

Menschen sind nicht Bienen

"Stoffwechselaktivität und Funktionstüchtigkeit des gesunden, alternden Gehirns hängen auch beim Menschen zusammen", bestätigt die Altersforscherin Jennifer Anders von der Geriatrischen Klink im Albertinen-Haus im pressetext-Interview. Dabei ist jedoch zu beachten, dass das Gehirn älterer Menschen andere Prioritäten hat: Statt dem Lernen neuer Inhalte spezialisiert es sich vor allem auf das Problemlösen und Vermitteln.

Die Brutpflege der Bienen ist laut Anders eine große Herausforderung, da der Drang zum Arterhalt in der Natur die Maximalressourcen mobilisiert. "Beim Menschen ist er vielleicht mit dem Elternwerden vergleichbar, nicht jedoch mit dem gelegentlichen, gemeinsamen Spiel von Oma und Enkel. Bienen werden zudem nicht im selben Maße wie Menschen hochaltrig und das Individuum hat gegenüber dem Wohl des Bienenstockes kaum Bedeutung."

Demenz erfordert Stabilität

Menschen unterscheiden sich auch darin, dass die Erfahrung und Kreativität des Einzelnen ebenso wichtig ist wie die stoffliche Erbinformation, die Gene. Bis weitere Untersuchungen die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf Menschen klären, bleibt der Rat, sich im Alter neue körperliche und geistige Herausforderungen zu suchen. Davon ausgenommen sind ältere Menschen, deren Gehirn durch schwere Erkrankungen wie Demenzen dauerhaft geschädigt ist, betont Anders. "Diese brauchen eine stabilisierende, ruhige Umgebung."

Link zur Studie: http://sciencedirect.com/science/article/pii/S0531556512001258


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20120706001 abrufbar.

Donnerstag, 15. September 2011

Musiker hören um 20 Jahre besser

Schutz vor schwindendem Gehör im Alter

E-Gitarre: Musiker schützen ihr Ohr vor Alterung
(Foto: pixelio.de/Meißner)

Toronto/Hannover (pte004/15.09.2011/06:05) - Wer selbst Musik macht, erspart sich später Gehör­probleme. Das behaupten kanadische Forscher in der Zeitschrift "Psychology and Ageing". "Musiker hören im Alter besser als Nicht-Musiker. Scheinbar ver­schlechtert sich bei ihnen die zentrale auditive Verarbeitung im Gehirn langsamer. Das Motto 'Use it or lose it' gilt auch hier", so Studienautor Benjamin Rich Zendel vom Baycrest's Rotman Research Institute.

Gehör gleich, Verarbeitung besser

Die Forscher untersuchten 74 Menschen, die in ihrem Leben mindestens sechs Jahre lang Musikunterricht genommen hatten, sowie zur Vergleich auch 89 Menschen, die nie ein Instrument gespielt hatten. Vier verschiedene Hörtests galt es zu durchlaufen, wobei leise Töne wahrgenommen, Lücken in Tonabfolgen und Beziehung von Tonfrequenzen erkannt oder Sprache bei Geräuschen im Hintergrund verstanden werden sollten.

Bei der vom Ohr abhängenden Geräuschwahrnehmung zeigten sich keine Unterschiede. Enormen Vorsprung hatten die Musiker jedoch bei den anderen Aufgaben, die alle auf die Geräuschverarbeitung im Gehirn zurückgehen. Die Unterscheidung der Sprache von anderen Geräuschen - das im Alter immer größere "Cocktailparty-Problem" - gelang etwa den 70-Jährigen Musikern so gut wie den 50-jährigen Nicht-Musikern.

Effekt ab Kindesalter

Ähnliches konnte vor einigen Jahren auch die US-Gehirnforscherin Nina Kraus bei Kindern zeigen. Musik verbessert schon bei den Jüngsten die Fähigkeit zur auditiven Musteranalyse. "Musizierende Kinder sind weit eher in der Lage, sinnhafte von sinnlosen Mustern zu unterscheiden und somit Sprachreize von Rauschen zu trennen", erklärt Eckart Altenmüller, Direktor des Instituts für Musikphysiologie und Musikermedizin der Hochschule für Musik und Theater Hannover, gegenüber pressetext.

Musik ist aus mehrerer Hinsicht eine ideale Gehirnschulung. Professionelle Musiker erreichen das Optimum an Feinmotorik (pressetext berichtete), zudem steigert Musik auch das räumlich-visuelle Gedächtnis, die Fähigkeit für Objektbezeichnungen oder die Anpassungsfähigkeit an neue Informationen (pressetext berichtete). Für die Therapie nutzbar, spricht Musik sonst unerreichbare Gehirnareale an und beeinflusst den Hormonhaushalt.

Zweifel am Hörschaden

Es gibt aber auch die gegenteilige Ansicht, dass laute Musik Hörschäden auslöst. In der Forschung wird dies zunehmend angezweifelt, berichtet Altenmüller. "Es stimmt, dass Rockmusiker im Alter eher Probleme beim Hören von Hochfrequenzen haben. Dennoch sind frühere Prognosen, dass wir durch die Kopfhörer zu einer Nation der Schwerhörigen werden, nicht eingetreten. Neue Erkenntnisse legen nahe, dass eine positive emotionale Bewertung lauter Geräusche das Gehirn vor Schäden schützt", so der Musikermediziner.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20110915004 abrufbar.

Dienstag, 28. Juni 2011

Ersatzhirn für eine vergessliche Zukunft

Ein Computersystem soll Alltagsroutinen älterer Menschen speichern und diese bei Bedarf abrufbar machen

Computerhirn für Alltagsroutinen?
(Foto: Fotolia.com/Kaulitzki)

Das Lieblingsgericht zubereiten oder einen Film auf Video aufzeichnen: Die alltäglichsten Dinge können zu einem unüberwindbaren Problem werden, wenn das Gehirn in die Jahre kommt und das Gedächtnis einfach aussetzt oder sich Demenz einschleicht.

Diese Erfahrung hat Heinrich Mayr, Rektor der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und Leiter des Instituts für Angewandte Informatik, bei seiner Mutter gemacht. Das brachte ihn auf die Idee, ein Forschungsprojekt zur Unterstützung betagter Menschen zu starten. Das Ziel: Die Gedächtnisleistung eines Menschen so zu konservieren, dass sie abgerufen werden kann, sobald die Vergesslichkeit überhand­nimmt.

Beobachten und lernen

Als Ersatz für das verlorene Wissen soll die Technik einspringen. Dafür muss sie aber erst lernen, wie ein Mensch denkt und wie er sich bei bestimmten Abläufen verhält. "Es geht darum, das individuelle Verhalten eines Menschen Schritt für Schritt abzuspeichern, damit es später wieder abgerufen werden kann", erklärt die Informatikerin Judith Michael, Mitarbeiterin am interdisziplinär aufgestellten Forschungsprojekt "Human Behaviour Monitoring Support" (HBMS).

In einer ersten Phase des Projekts, das Anfang Juni startete und vorerst ein Jahr lang läuft, werden die Verhaltensweisen von 20 bis 30 älteren Personen ganz genau unter die Lupe genommen: "Wir beobachten verschiedene Szenarien: Alltagsroutinen wie den Ablauf der Morgentoilette, elektronische Prozesse wie Online-Banking oder die Bedienung von Geräten", schildert Michael.

Jeder einzelne Schritt wird in ein Computersystem eingespeist, das typische Verhalten des jeweiligen Menschen in einem Modell abbildet. Versagt nun das Gedächtnis, wenn man den Videorekorder einschalten oder eine Torte backen will, soll das System dem Gehirn auf die Sprünge helfen, indem es anzeigt, welche Schritte in welcher Reihe durchzuführen sind.

"Wir arbeiten vorerst an einem Prototyp, der auf Handys und Tablet-PCs läuft und unaufdringlich in die Lebenswelt der Menschen integriert werden kann. Das System könnte zum Beispiel in einem Bilderrahmen am Nachttisch versteckt sein", sagt Judith Michael. Bei der Entwicklung des Systems orientieren sich die Klagenfurter Forscher an den Standards anderer Projekte aus dem Bereich "ambient-assisted living" (AAL), einem Fachgebiet, das sich mit Technologien beschäftigt, die älteren Menschen ermöglichen sollen, möglichst lange selbstbestimmt zu leben. Eine Herausforderung sei nun, alltägliche Aktivitäten in einer Form darzustellen, die die tatsächliche Wahrnehmung der Nutzer widerspiegelt und leicht nachvollzogen werden kann. "Das System wird gezielt auf die Lebens- und Begriffswelt des jeweiligen Benutzers abgestimmt", betont Michael. So soll das ganz persönliche Wissen für die Zukunft gespeichert werden und bei Bedarf Gedächtnislücken schließen.

Eingreifen, wenn nötig

In weiterer Folge soll das Projekt, das derzeit durch die Heidelberger Klaus-Tschira-Stiftung finanziert wird, ausgedehnt werden: So könnte das System seine Schützlinge über vernetzte Geräte und Sensoren automatisch beobachten und selbstständig die Verhaltensweisen eines Menschen "trainieren".

Die Klagenfurter Informatiker arbeiten auch an Diagnosesystemen, die abweichendes Verhalten erkennen und eingreifen, wenn der Nutzer etwa ein Gerät nicht richtig bedient oder Hilfe benötigt. "Derzeit arbeiten wir mit Texten und grafischen Darstellungen, längerfristig könnten auch Videos und Fotos eingebaut werden", sagt Judith Michael. Wie viel Wissen bis dahin in den Abgründen des Gedächtnisschwunds verlorengeht, ist allerdings nur sehr schwer absehbar.


Dieser Artikel wurde von Der Standard (Autorin: Karin Krichmayr) veröffentlicht und ist unter http://derstandard.at/1308679917394/Medizin-und-Technik-Ersatzhirn-fuer-eine-vergessliche-Zukunft abrufbar.

Montag, 23. Mai 2011

Parkinson: Forscher identifizieren Erreger-Bakterium

Helicobacter pylori produziert Chemikalien, die im Gehirn Gift sind

Helicobacter pylori: Möglicherweise Schuld
an Parkinson (Foto: bioweb.uwlax.edu)

New Orleans (pte014/23.05.2011/12:45) - Wissenschaftler des Louisiana State University Health Sciences Center haben ein Bakterium identifiziert, dass im Verdacht steht, im Zusammenhang mit Parkinson zu stehen. Das Bakterium Helicobacter pylori ist auch für Magengeschwüre verantwortlich. Mit den Bakterien infizierte Mäuse entwickelten Parkinson-entsprechende Symptome. Die bei einer Tagung der American Society for Microbiology vorgestellten Studienergebnisse gehen davon aus, dass die Infektion eine entscheidende Rolle spielen könnte. Parkinson führt zu einer Beeinträchtigung des Gehirns, einer Verlangsamung der Bewegung und Zittern.

Mäuse mittleren Alters, entsprechend dem Lebensalter zwischen 55 und 65 Jahren beim Menschen, wurden vom Team um Traci Testerman infiziert. Sechs Monate später wiesen sie Symptome auf, die in etwa jenen von Parkinson entsprachen. Sie bewegten sich weniger und verfügten über niedrigere Dopaminwerte im Gehirn. Diese Veränderungen konnten bei jüngeren Tieren nicht nachgewiesen werden.

Entscheidende Rolle

Testerman erklärte, dass diese Forschungsergebnisse nahelegten, dass Infektionen mit H. pylori eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Parkinson beim Menschen spielen könnte. "Die Ergebnisse waren bei älteren Tieren viel drastischer als bei jungen. Die normale Alterung erhöht auch bei Mäusen das Risiko einer Erkrankung." Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Bakterien Chemikalien produzieren, die für das Gehirn giftig sind. H. pylori könne dem Körper Cholesterin entziehen und es durch Hinzufügung einer Zuckergruppe abbauen.

Diese neue Chemikalie ist laut Testerman fast identisch mit einer in Samen des Palmfarn, der nachweislich bei Menschen in Guam eine Parkinson-ähnliche Krankheit ausgelöst hat. Die Wissenschaftlerin erklärte gegenüber der BBC, das eine Vernichtung von H. pylori in einem späten Stadium von Parkinson kaum eine deutliche Besserung bringen würde. "Bestimmte Neuronen sterben vor dem Sichtbarwerden der ersten Symptome ab und dieser Prozess geht weiter. Diese Neuronen werden nicht nachwachsen."

Kieran Breen, Forschungsleiter von Parkinson's UK, bezeichnete die aktuelle Studie als interessant. Dennoch sollten die Ergebnisse mit Vorsicht beurteilt werden. Die Tests seien mit Mäusen durchgeführt worden, denen eine relativ große Menge der Bakterien verabreicht wurde. "Sie hatten in der Folge Schwierigkeiten sich zu bewegen. Wir wissen jedoch nicht, ob das Absterben von Nervenzellen wirklich dafür verantwortlich war. Weitere Untersuchungen müssen durchgeführt werden."


Diese Meldung wurde von pressetext.austria ausgedruckt und ist unter http://www.pressetext.com/news/20110523014 abrufbar.

Dienstag, 3. August 2010

Starkes Herz verlangsamt Alterung des Gehirns

Geringere Blutzirkulation bedeutet Sauerstoffmangel

Gehirn: Herzindex beeinflusst Gesundheit von Gehirnzellen
(Foto: pixelio.de/Dieter Schütz)

Boston (pte013/03.08.2010/10:00) - Wer sein Herz fit und stark hält, verlangsamt damit die Alterung des Gehirns. Wissenschaftler der Boston University haben nachgewiesen, dass gesunde Menschen mit einem nur schleppend arbeitenden Herzen, das weniger Blut transportierte, auch "ältere" Gehirne hatten.

Scans von 1.500 Personen machten sichtbar, dass das Gehirn mit zunehmendem Alter schrumpft. Eine schlechte Herzleistung ließ das Herz laut dem Fachmagazin Circulation fast zwei Jahre schneller altern. Dieser Zusammenhang bestand bei jüngeren, gesunden Menschen um die 30 genauso wie bei älteren Menschen, die an einer Erkrankung des Herzens litten.

Niedriger Herzindex

Die leitende Wissenschaftlerin Angela Jefferson betonte, dass die Studienteilnehmer nicht krank waren. Nur wenige litten an einer Herzkrankheit. Die Beobachtung, dass fast ein Drittel aller Untersuchten über einen niedrigen Herzindex verfügte und dass dieser niedrigere Index mit einem kleineren Gehirnvolumen einhergeht, sei Besorgnis erregend und erfordere eine nähere Untersuchung.

Die Teilnehmer mit einem geringeren Gehirnvolumen laut MRI-Scan zeigten keine offensichtlichen Symptome einer eingeschränkten Gehirnfunktion. Die Wissenschaftler halten es jedoch für denkbar, dass diese Schrumpfung ein erstes Anzeichen dafür sein könnte, dass etwas nicht stimmt. Eine noch stärkere Schrumpfung oder Athropie findet bei einer Demenz-Erkrankung statt.

Weniger Sauerstoff fürs Gehirn

Jefferson erklärte laut BBC, es gebe mehrere Theorien, warum ein niedrigerer Herzindex die Gesundheit des Gehirns beeinflussen kann. Wird zum Beispiel weniger Blut vom Herzen in den Körper gepumpt, erhalten die Gehirnzellen weniger Sauerstoff und Nährstoffe. Es sei jedoch laut Jefferson zu früh, aus diesen Forschungsergebnissen Empfehlungen für ein gesundes Leben abzuleiten.

Klar sei jedoch, dass die Gesundheit von Herz und Hirn Hand in Hand gehen. Experten wie Clinton Wright von der University of Miami weisen darauf hin, dass der Herzindex eines Menschen ziemlich statisch ist und nur schwer verändert werden kann. Für die aktuelle Studie wird jetzt untersucht, ob und wie die Veränderungen des Gehirns das Gedächtnis und die kognitiven Fähigkeiten der Teilnehmer beeinflussen.


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Dienstag, 9. Februar 2010

Nur ein flexibles Gehirn bringt hohe Leistung

Fähigkeit zur Anpassung bestimmt die Fitness eines Seniorengehirns

Flexibilität ist das Geheimnis des Superhirns
im Alter (Foto: pixelio.de/Casiocan)

Berlin (pte026/09.02.2010/13:40) - Das Gehirn alter Menschen ist besonders dann noch zu Spitzenleistungen fähig, wenn es sich flexibel auf den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben einstellen kann. Das berichtet ein internationales Forscherteam vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences. "Gedächtnis im Alter wird mit gutem Grund meist im Hinblick auf Demenz untersucht. Doch auch gesunde Senioren unterscheiden sich erheblich, was die Gehirnleistung betrifft", berichtet Studienautorin Irene Nagel im pressetext-Interview.

Auch ohne Demenz schwindet die Gehirnleistung im Alter, indem etwa die Nervenzellen und ihre Synapsen, jedoch auch zahlreiche Botenstoffe wie etwa Dopamin abnehmen. Diese Prozesse, die zueinander in komplexer Wechselwirkung stehen, verlaufen von Mensch zu Mensch verschieden. "Solche Rückgänge können durch den Lebenswandel beeinflusst sein, aber auch durch Krankheiten oder genetische Voraussetzungen. Das führt dazu, dass wir uns im Alter in der Gehirnleistung immer mehr voneinander unter­scheiden", so Nagel.

Unterschiede wachsen im Alter

Die Berliner Forscher wollten nun herausfinden, wie sich diese Unterschiede in der Aktivität des Gehirns zeigen. Dazu stellten sie sowohl jungen Erwachsenen als auch Senioren die Aufgabe, sich räumliche Muster unterschiedlicher Komplexität einzuprägen und über kurze Zeit zu merken. Die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) zeigte, welche Gehirnregionen dabei aktiviert wurden und wie ein veränderter Schwierigkeitsgrad der Aufgaben diese Aktivität beeinträchtigte. Aufgrund der Richtigkeit der Antworten schlossen die Forscher auf die kognitive Leistung der Versuchspersonen.

Bei allen Untersuchten zeigte sich, dass gute Leistung dann auftritt, wenn die Aktivierung des Gehirns an die Aufgabenschwierigkeit angepasst wird, wohingegen gleiche oder abfallende Aktivierung bei steigender Schwierigkeit zu schlechter Leistung führte. Die Altersgruppen unterschieden sich insofern, als die Seniorengehirne mit schwacher Leistung bei schwierigen Aufgaben viel deutlicher an Aktivität verloren. Das sei kein Hinweis auf Resignation, betont die Studienleiterin. "Auch die älteren Probanden waren sehr motiviert bei der Teilnahme, zudem lag die Genauigkeit ihrer Antworten eindeutig über der Ratewahrscheinlichkeit."

Superhirn kann man trainieren

"Unterschiede in der Leistung lassen sich durch Unterschiede in der Anpassung vorhersagen", so Nagel. Bei den Senioren mit durchgehend richtigen Antworten steigerte sich die Gehirnaktivitierung hingegen fast genauso wie bei den jungen Erwachsenen mit zunehmender Schwierigkeit der Aufgabe. "Die Unterschiede bei alten Menschen zeigen, dass auch im hohen Alter eine hohe Gehirnleistung möglich ist." Es lohne sich daher, genauer zu erforschen, welche Faktoren den Alterungsprozess auf positive Weise beeinflussen und nach welchen Mechanismen er folgt.

Was man am besten tun sollte, um "kognitiv erfolgreich" zu altern, wird in der Wissenschaft aktuell untersucht. Nagel bezeichnet drei Faktoren als wesentlich. "Am wichtigsten ist die gesunde Lebensführung, wozu regelmäßiges Ausdauertraining sowie ein geistig waches, engagiertes Leben mit möglichst vielen sozialen Interaktionen gehört. Zweitens gehört das kognitive Training dazu, wobei aus wissenschaftlicher Sicht Erfolgschancen am größten sind, wenn dieses über lange Zeit erfolgt und die Aufgabenschwierigkeit individuell angepasst ist."

Grenzen der Beeinflussung

Einen dritten Faktor könnten auch Medikamente darstellen, deren Wirkung jedoch noch wenig erforscht ist. "Man sollte jedoch nicht außer Acht lassen, dass auch Gene und Krankheiten eine Rolle spielen. Der Alterungsprozess ist daher nur bis zu einem gewissen Grad beeinflussbar", so die Forscherin.

Abstract der Studie unter http://www.pnas.org/content/106/52/22552.abstract


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