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Donnerstag, 17. April 2014

Spielerisches Gedächtnistraining hebt Leseleistung

Unterhaltsames Wiederholen ersetzt Hausaufgaben langfristig aber nicht

Lesen verbessert sich mit Gehirnjogging
(Foto: pixelio.de, R. Sturm)

Saarbrücken/Berlin (pte016/17.04.2014/11:54) - Spielerisches Training des Gedächtnisses hilft Kindern dabei, sprachliche Informationen besser zu verarbeiten. In der Folge verbessert sich auch die Leseleistung erheblich, wie Psychologen der Universität des Saarlandes in Kooperation mit der Humboldt-Universität zu Berlin herausgefunden haben. Die Forscher erarbeiteten hierzu ein spezielles Gedächtnis­training am Computer für Grundschul­kinder und verglichen später ihre Mathematik- und Leseleistung vor und nach dem Training. Die Studie wurde im Journal "Child neuropsychology" veröffentlicht.

Fließenderer Lernprozess

"Wir vermuten, dass Kinder mit Training mehr und effizienter sprachliche Informationen im Gedächtnis behalten. Dadurch gestaltet sich der Leseprozess für sie fließender. Allerdings scheint es, dass diese Verbesserung durch Gedächtnistraining nur von begrenzter Dauer ist. Nach drei Monaten konnten wir keine weiteren Erfolge mehr beobachten", sagt Forscher Tilo Strobach von der Berliner Humboldt-Universität. Dem Experten nach wird unterhaltsames Gedächtnistraining die Hausaufgaben in Zukunft jedoch nicht ganz ersetzen können.

Im Zuge der PC-Tests mussten sich die Kinder Reihen von verschiedenen Tieren merken und bekamen von einem Affen virtuelle Äpfel geschenkt, wenn sie sich richtig erinnerten. Um Vergleichswerte zu haben, wurde die Leistung der Grundschüler in den Bereichen Lesen und Mathematik vor und nach diesem Training erfasst. Zwar gab es keine grundlegende Verbesserung im mathematischen Denken. Im Vergleich mit einer Kontrollgruppe schnitten die Kinder beim Vorlesen von Texten deutlich besser ab. Die Tests zeigten Wirkung.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20140417016 abrufbar.

Montag, 20. Januar 2014

Lesen ist für das Gehirn anregender als gedacht

Studie: Lesen von Romanen für das Gehirn anregender als bisher gedacht

Sich beim Lesen in den Erzähler hinein
versetzen (Foto: HappyNeuron.de)

Atlanta, Gorgia, USA (09.12.2013) Stellen Sie sich Folgendes vor: Sie kommen nach einem Arbeitstag nach Hause und machen es sich mit einem neuen Buch auf dem Sofa bequem – und vergessen so Ihre Alltagssorgen. Schon nach wenigen Sekunden sind Sie mittendrin in der Geschichte, stellen sich die Kulisse und die Situationen vor. Während Sie lesen, schlüpfen Sie in die Rolle einer anderen Person, und zwar in die des Erzählers.

Sich in jemanden hineinversetzen

Der Ausdruck "sich in jemanden hineinversetzen", der nicht selten im Zusammenhang mit dem Lesen von Romanen fällt, ist möglicherweise wörtlicher zu nehmen, als bisher gedacht. Laut einer Studie unter der Leitung von Professor Berns (Center for Neuropolicy, Emory University) hält die durch das Lesen hervorgerufene Aktivierung des Gehirns mehrere Tage an, auch wenn man schon längst mit dem Lesen aufgehört hat.

Das Experiment

Um dieses Phänomen zu untersuchen, wurde bei zwölf Studenten über einen Zeitraum von 19 Tagen jeden Morgen eine Computertomografie (CT) durchgeführt. Nach einem Kontrollzeitraum von fünf Tagen wurden die Studenten aufgefordert, an den nächsten neun Abenden jeweils 30 Seiten des Romans "Pompeji" von Robert Harris zu lesen.

Die an den darauffolgenden Tagen morgens durchgeführten CT-Scans zeigten eine Aktivierung des linken temporalen Cortex und eine Aktivierung der Zentralfurche. Die Zentralfurche ist der Bereich des primären sensomotorischen Cortex, der für die Erzeugung körperlicher Empfindungen zuständig ist.

Man rennt noch Tage später

Wenn Sie sich beispielsweise vorstellen zu rennen, werden dieselben Neuronen aktiviert, die auch beim tatsächlichen Bewegungsablauf des Rennens aktiviert werden, obwohl der Körper dabei vollständig bewegungslos bleibt. Diese Auswirkungen hielten bis zur nächsten Lektüre am Abend an. Erstaunlicherweise konnte dieser Effekt auch noch an den letzten fünf Tagen des Experiments nachgewiesen werden, obwohl die Studenten zu diesem Zeitpunkt abends nicht mehr gelesen hatten.

Da der für das Experiment verwendete Roman nicht von den Probanden ausgewählt wurde, kommt Professor Berns zu der Schlussfolgerung, dass das Lesen von Romanen, für die wir uns begeistern, signifikante und dauerhafte Auswirkungen auf unser Gehirn haben könnte.

Quelle: Berns et al. (2013). Short- and Long-Term Effects of a Novel on Connectivity in the Brain. Brain Connectivity, 2013, 3(6): 590-600, doi:10.1089/brain.2013.0166.
PDF "Article Short- and Long-Term Effects of a Novel on Connectivity in the Brain"

Montag, 11. März 2013

Lernen: Gehirnstimulation hat nicht nur Vorteile

Schnellere Verarbeitung - TES beeinträchtigt automatische Fähigkeiten

Lernen: Gehirn hat trotz Hightech seine Grenzen
(Foto: pixelio.de, luise)

Oxford (pte019/11.03.2013/13:55) - Das Stimulieren des Gehirns mit elektrischen Signalen kann einige Fähigkeiten verbessern, aber auch andere reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommt die University of Oxford. Die Transkranielle Elektrische Stimulation (TES) erfolgt durch das Anbringen von Elektroden auf der Kopf­oberfläche. Nachgewiesen ist, dass sie die Lern­geschwindig­keit verdoppeln kann. Das Team um Roi Cohen Kadosh hat jetzt nachgewiesen, dass auch Nachteile entstehen können. Details wurden im Journal of Neuroscience veröffentlicht.

Zuordnen von Symbolen

Die Wissenschaftler zeigten den Probanden Paare unbekannter Symbole. Jedes Symbol verfügte über einen geheimen numerischen Wert. Die Aufgabe bestand darin, so rasch wie möglich ohne Fehler anzugeben, welches der beiden Symbole den höheren Wert besaß. Anschließend wurde die richtige Antwort angezeigt. Innerhalb von sechs Sitzungen in einer Woche war es möglich festzustellen, wie rasch und effizient die Teilnehmer den Wert jedes einzelnen Symbols gelernt hatten.

Für eine zweite Aufgabe mussten die Teilnehmer feststellen, welches der beiden Symbole größer war. Bei diesem Test wurde auf das automatische Denken abgezielt - Fähigkeiten wie Lesen, Autofahren oder Treppensteigen, die laut Cohen Kadosh vorhanden sind, ohne dass daran gedacht werden muss. Der Wissenschaftler führte die Experimente gemeinsam mit Teresa Iucalano vom Stanford Cognitive and Systems Neuroscience Laboratory durch.

Gehirn reagiert unterschiedlich

Während des Tests wurde bei einem Teil der Teilnehmer der hintere Parietallappen mittels TES stimuliert, der für das numerische Lernen von entscheidender Bedeutung ist. Bei einer anderen Gruppe wurde der dorsolaterale präfrontale Kortex stimuliert, der entscheidend für den Automatismus ist. Eine Gruppe erhielt ohne ihr Wissen eine Scheinbehandlung. Jene, deren hinterer Parietallappen behandelt worden war, schnitten bei der Lernaufgabe besser ab. Sie waren es aber auch, die bei der Automatismus-Aufgabe am schlechtesten abschnitten.

Genau das Gegenteil passierte bei der Gruppe, deren dorsolateraler präfrontaler Kortex stimuliert worden war. Die Kontrollgruppe schnitt bei beiden Aufgaben durchschnittlich ab. Laut Kadosh ist damit nachgewiesen, dass TES auch ihren Preis haben kann. Der Forscher arbeitet an einer Lösung dieses Problems. Denkbar ist zum Beispiel die Stimulation beider Gehirnregionen zu verschiedenen Zeitpunkten. "Wenn es Nebenwirkungen gibt, müssen wir die Stimulation optimieren, um die Nebenwirkungen einzuschränken oder zu beseitigen."


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20130311019 abrufbar.

Freitag, 25. Januar 2013

Gelesene Lerninhalte werden schnell vergessen

Umsetzung neuer Erkenntnisse im schulischen Alltag erst in zehn Jahren

Bücher: Lernmethoden werden sich ändern
(Foto: pixelio.de, Lupo)

Regensburg (pte021/25.01.2013/13:55) - Wieder­holtes Lesen von Lerninhalten bringt keinen nachhaltigen Lerneffekt. Das haben Forscher der Universität Regensburg bewiesen. Die Erkenntnis könnte die Unterrichtsstrategie an Schulen und Universitäten verändern. "Ich schätze, dass die Erkenntnisse in zehn Jahren im Unterricht umgesetzt werden", sagt Studienleiter Karl-Heinz Bäuml gegenüber pressetext.

Selbst aufsagen besser

Den Wissenschaftlern zufolge führt nur die richtige Methode des Lernens zu effektiven Ergebnissen. Wenn etwa ein Schüler ein Gedicht auswendig lernen soll, wird er zwar den Inhalt wiedergeben können, wenn er sich das Gedicht mehrmals durchliest. Nach mehreren Wochen wird sich der Schüler aber nicht mehr daran erinnern können.

Wenn der Schüler aber nach zweimaligem Durchlesen das Gedicht selber aufsagt, ohne es wieder zu lesen, prägen sich die Inhalte besser im Gedächnis ein. Bäuml und seine Kollegin Ina Dobler vom Institut für Psychologie untersuchten erstmals die Effekte zwischen wiederholtem Lesen und eigenständigen Abrufübungen.

Abrufübungen wichtig

Die Experten führten zwei Experimente durch: An einem ersten Experiment nahmen 84, an einem zweiten 48 Versuchspersonen teil. Die Probanden mussten sich mehrere Listen mit Begriffen einprägen. Die Experimente wurden so gestaltet, dass die Probanden gelernte Begriffe entweder durch mehrmaliges Lesen oder durch Abrufübungen wiederholten.

Am Ende der beiden Versuche wurden die Personen abgefragt. Das Ergebnis: Bei einem kombinierten Lernverhalten gleichen sich die Effekte des wiederholten Lesens denen von reinen Abrufübungen an und die beiden Übungsformen führten zunächst zu ähnlichen Gedächtniseffekten. Langfristig war die Methode der Abrufübungen vorteilhafter.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20130125021 abrufbar.

Montag, 1. Oktober 2012

Digital-Leser verwechseln Papier mit Touchscreen

Gehirne gewöhnen sich schnell an neue Technologien

Bedienung per Finger: wird mittlerweile erwartet
(Foto: pixelio.de, momosu)

Wien (pte026/01.10.2012/13:45) - Die Gewohnheiten, die mit digitaler Mediennutzung einhergehen, haben großen Einfluss auf unser Gehirn, wie die New York Times berichtet. Nicht nur Kinder, die mit Tablet-Computern und Smartphones aufwachsen, versuchen gelegentlich, analoge Zeitungen aus Papier mit einem Fingerwisch umzublättern. Durch die Macht der Gewohnheit sind auch erwachsene Hirne, die den Umgang mit Medien aus toten Bäumen noch gelernt haben, nicht vor solchen Kurzschlüssen gefeit. US-Wissenschaftler führen solche Verwirrungen auf die auf Effizienz getrimmten Denkorgane der Menschen zurück.

Gewohnheit obsiegt

"Die direkte Manipulation durch Touchscreens ist viel natürlicher als der Umweg über die Maus. Die Menschen erwarten sich von Technologie schon natürliche Bedienung, deshalb versuchen sie etwa beim Auto-Navigationsgerät als erstes, ob sie es mit den Fingern bedienen können. Auch mir ist das schon passiert. Wenn sich solche Bedienkonzepte als Muster ins Gehirn eingebrannt haben, ist auch der Versuch, Papier mit den Fingern zu 'bedienen' verständlich", sagt Norbert Zellhofer von Interface Consult gegenüber pressetext.

Das sehen Hirnforscher ähnlich: "Gehirne lieben Gewohnheiten. Sie sind auf Effizienz ausgelegt. Unsere Hirne sind gemacht, um zwei Dinge in Raum und Zeit in Verbindung zu setzen und sich an diese Verknüpfung zu erinnern. Das wird dann automatisch umgesetzt, etwa wenn Menschen versuchen, eine Papier-Zeitung wie einen Touchscrenn zu scrollen", sagt Clifford Nass von der Stanford University gegenüber der New York Times. Dasselbe Prinzip gilt auch für andere technologische Neuerungen.

Langsame Anpassung

Laut Wissenschaftlern der University of California dauert es unabhängig vom Alter lediglich sieben Tage, bis ein menschliches Gehirn sich an neue Technologien anpasst. Dadurch, dass viele Menschen ihren Medienkonsum mittlerweile fast vollständig in die digitale Sphäre verlagert haben, steigt die Erwartung ihrer Gehirne, Informationsquellen in gewohnter Art zu handhaben. Deshalb versuchen Menschen, Geldautomaten wie einen Touchscreen zu behandeln, obwohl die meisten Geräte nicht darauf ausgelegt sind. Andere Neuerungen, etwa kontaktloses Bezahlen, werden ähnliche Erwartungshaltungen in den Menschen wecken. Die Wirtschaft wird sich auf diese Änderungen einstellen müssen.

"Der Trend wird - vielleicht mit Ausnahme des Desktop-PCs - weiter in Richtung Touch-Bedienbarkeit gehen. Für die Industrie ist das sogar ein Vorteil, weil etwa Touch-Interfaces für Geldautomaten einfacher zu programmieren sind. Allerdings geschieht die Umstellung langsam und in Schritten, weil die Kosten relativ hoch sind. Die Ticketautomaten der ÖBB unterstützen etwa die Eingabe mit den Fingern, die fehlende Multi-Touch-Funktionalität führt aber öfter zu Verwirrung, weil die Nutzer an die Bedienung von Tablets und Smartphones gewöhnt sind", so Zellhofer.

Papier frustriert Kind:


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20121001026 abrufbar.