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Mittwoch, 3. Dezember 2014

Menschliche Zellen machen Mäuse intelligenter

Injektion in Gehirne zur Stärkung neuronaler Netze vorgenommen

Maus: wird schlauer durch menschliche Zellen
(Foto: pixelio.de/A. Schweppe-Rahe)

Rochester (pte018/03.12.2014/10:30) - Experten der University of Rochester Medical Center haben Mäuse erschaffen, deren Gehirne zur Hälfte menschlich sind. Ziel des Projektes war ein besseres Verständnis von Erkrankungen des menschlichen Gehirns durch die Arbeit mit den ganzen Organen der Tiere und nicht nur mit Proben. Die veränderten Tiere verfügen immer noch über Mäuseneuronen, die rund die Hälfte ihrer Gehirnzellen ausmachen. Die Gliazellen in ihren Gehirnen, die die Neuronen unterstützen, sind jedoch menschlich.

Vermehrung auf zwölf Mio. Stück

Laut dem leitenden Forscher Steve Goldman handelt es sich immer noch um Gehirne von Mäusen. "Alle nicht nicht-neuronalen Zellen sind jedoch menschlich." Die Wissenschaftler haben unreife Gliazellen aus gespendeten menschlichen Föten gewonnen. Sie wurden Jungtieren injiziert. Dort entwickelten sie sich zu Astrozyten, einer sternenförmigen Art von Gliazellen. Innerhalb eines Jahres wurden die Gliazellen der Mäuse vollständig von den menschlichen Zellen übernommen. Die 300.000 menschlichen Zellen, die jedes Tier erhalten hatte, vermehrten sich, bis zur Zahl von zwölf Mio. Stück.

Astrozyten sind für bewusstes Denken von Bedeutung, da sie helfen, die Verbindungen zwischen den Neuronen zu stärken. Ihre Ausläufer spielen bei der Koordination von elektrischen Signalen über die Synapsen eine Rolle. Menschliche Astrozyten sind zehn bis 20 Mal so groß wie die der Mäuse und verfügen über 100 Mal mehr Ausläufer. Das bedeutet, dass sie zu einer viel rascheren Koordination der neuronalen Signale fähig sind. Eine Reihe von Standardtests zu Gedächtnis und Wahrnehmung hat gezeigt, dass die Mäuse mit den menschlichen Astrozyten schlauer waren als ihre normalen Artgenossen.

Goldman hat bereits 2013 Studienergebnisse präsentiert, laut denen Mäuse mit menschlichen Gliazellen klüger sind. Die injizierten menschlichen Zellen waren jedoch bereits erwachsen und fügten sich daher nur in das Gehirn der Tiere ein. Bei der aktuellen Studie wurden Vorgänger dieser Zellen injiziert, die in der Lage sind, sich zu teilen und zu vermehren. Daher waren sie laut dem Wissenschaftler auch in der Lage, das Gehirn der Mäuse so vollständig zu übernehmen. Ihre Vermehrung endete erst, als die räumlichen Grenzen erreicht waren.

Studien mit MS-Patienten geplant

Für ein weiteres Experiment injizierte Goldman Jungtieren unreife menschliche Gliazellen, die nur wenig Myelin produzierten. Dieses Protein dient der Abschirmung von Nerven. In den Gehirnen der Mäuse reifte eine große Anzahl der Zellen zu Oligodendrozyten, die Myelin produzieren. Die Zellen erkannten den Mangel und versuchten, ihn auszugleichen. Das Wissen könnte zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden, bei denen die Myelinschicht geschädigt ist. Eine Genehmigung dafür, Patienten mit Multipler Sklerose mit den Vorläufern der Gliazellen zu behandeln, steht noch aus. Studien sollen in 12 bis 15 Monaten beginnen.

Laut Goldman machen die zusätzlichen Zellen die Mäuse jedoch nicht menschlicher. "Diese Zellen verbessern nur die Effektivität des neuronalen Netzwerkes der Tiere. Es sind immer noch Mäuse." Aus ethischen Gründen verwarfen die Wissenschaftler die Idee, Affen menschliche Zellen zu verabreichen. Derzeit finden jedoch erste Tests mit Ratten statt. Die Forschungsergebnisse wurden im Journal of Neuroscience veröffentlicht.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20141203018 abrufbar.

Montag, 15. September 2014

Alzheimer: Gehirn gleicht Schäden teilweise aus

Amyloidablagerungen entscheidend - Geistige Aktivität im Alter wichtig

Gehirn: Schäden sind teilweise ausgleichbar
(Foto: pixelio.de, Dieter Schütz)

Berkeley (pte010/15.09.2014/10:14) - Das Gehirn kann einige durch Alzheimer hervorgerufene, frühe Veränderungen ausgleichen, wie die University of California ermittelt hat. Das Team um William Jagust fand heraus, dass manche Menschen in der Lage sind, zusätzliche Ressourcen zu schaffen, um ihre Denkfähigkeit zu erhalten. Die Wissenschaftler hoffen, dass diese Ergebnisse neue Einblicke ermöglichen, warum die Krankheit bei manchen Menschen mit frühen Symptome fortschreitet.

An der aktuellen Studie nahmen 71 Erwachsene ohne Anzeichen eines geistigen Verfalls teil. Gehirnscans zeigten, dass 16 der älteren Teilnehmer über Amyloid­ablagerungen verfügten, also jene Protein­plaquen, die als ein Kennzeichen von Alzheimer gelten. Alle Teilnehmer wurden ersucht, sich eine Reihe von Fotos im Detail zu merken. Währenddessen wurde mit Scannern ihre Gehirnaktivität beobachtet.

Gedächtnistests im Fokus

Zuerst wurde nach der Hauptaussage der Fotos gefragt und später nach Details aller gesehenen Bilder. Beide Gruppen schnitten laut einem Bericht in Nature Neuroscience bei diesen Tests gleich gut ab. Die Teilnehmer mit Amyloidablagerungen wiesen jedoch beim Erinnern von Details eine höhere Gehirnaktivität auf.

Die Wissenschaftler gehen aus diesem Grund davon aus, dass die Gehirne der Probanden teilweise über die Fähigkeit verfügen, sich an frühe Schädigungen anzupassen und sie auch auszugleichen. Jagust vermutet, dass insbesondere Menschen, die ihr Leben lang geistig sehr aktiv waren, auch besser in der Lage sind, sich möglichen Schädigungen anzupassen.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20140915010 abrufbar.

Freitag, 12. September 2014

Schlafende Menschen können Aufgaben lösen

Automatisierte Anfragen werden trotz Ruhemodus richtig beantwortet

Wecker: Gerhirn erkennt Klingeln automatisch
(Foto: pixelio.de, Alexandra H.)

Cambridge/Paris (pte010/12.09.2014/10:23) - Das Gehirn ist auch dann aktiv, wenn wir schlafen. Laut Forschern des Ecole Normale Superieure und der Cognition and Brain Sciences Unit können Menschen schlafend Wörter klassifizieren. Das Team um Sid Kouider machte mit den wachen Teilnehmern einen Worttest. Es zeigte sich, dass die Antworten auch im Schlaf immer noch richtig waren.

Weitere Studien erforderlich

Der in "Current Biology" veröffentlichten Studie nach ist das Gehirn auch schlafend in der Lage, komplexe Aufgaben durchzuführen. Das gilt vor allem dann, wenn diese Fähigkeit automatisiert wurde. Weitere Studien sollen jetzt herausfinden, wie die Zeit, die wir schlafend verbringen, besser genutzt werden kann.

Mittels EEG wurde die Gehirnaktivität von Teilnehmern aufgezeichnet, während sie ersucht wurden, gehörte Wörter mit einem Knopfdruck entweder als Tiere oder als Objekte zu identifizieren. Sie wurden gebeten, Tiere mit einem Knopfdruck der rechten Hand zu klassifizieren und Objekte mit der linken. Damit konnten die Wissenschaftler die Antworten mitverfolgen und einer bestimmten Gehirnregion zuordnen.

Antworten werden nur langsamer

in einem nächsten Schritt wurden die Teilnehmer ersucht, sich in einem abgedunkelten Raum mit geschlossenen Augen hinzulegen und die gestellten Aufgaben weiter zu lösen bis sie einschliefen. Schlafend wurde eine neue Liste von Wörtern abgetestet. Damit war sichergestellt, dass das Gehirn vor dem Antworten arbeiten musste. Die Gehirnaktivität zeigte, dass die Personen weiterhin richtig, allerdings auch etwas langsamer antworteten. Zu diesem Zeitpunkt waren die Teilnehmer völlig bewegungslos und schliefen fest.

Laut Kouider ist damit nachgewiesen, dass das schlafende Gehirn viel aktiver sein kann, als bisher angenommen. "Damit werden einige Alltagserfahrungen erklärbar - wie zum Beispiel, dass wir auch im Schlaf auf unseren Namen reagieren oder auch auf das Klingeln des Weckers. Das gilt für ähnlich laute Geräusche ohne diese spezifische Bedeutung nicht."

Es ist sogar möglich, einfache Berechnungen und Gleichungen während des Einschlafens durchzuführen und die richtigen oder falschen Ergebnisse auch schlafend zu erkennen. Jede Aufgabe, die automatisierbar ist, kann Kouider nach auch im Schlaf durchgeführt werden. Alles, was wir jedoch nicht automatisch tun, findet dann auch im Schlaf nicht statt.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20140912010 abrufbar.

Freitag, 29. August 2014

Hirnstimulation verbessert Gedächtnisleistung

Freiwillige Probanden schnitten bei Tests 30 Prozent besser ab

Gehirnscans: Forscher wollen Demenz bekämpfen
(Foto: pixelio.de, Dieter Schütz)

Chicago (pte016/29.08.2014/10:10) - Die Stimulierung eines bestimmten Gehirnteils mit elektro­magnetischen Impulsen könnte die Gedächtnis­leistung verbessern. Laut einer Studie der Northwestern University haben die 16 Studien­teilnehmer nach diesem Eingriff 30 Prozent weniger Fehler bei Gedächtnistests gemacht. Derzeit erforscht das Team um Joel Voss, ob dieses Verfahren auch Menschen mit Gedächtnisstörungen helfen und die Abnahme der Fähigkeiten im höheren Alter verringern kann.

Hippokampus im Fokus

Laut der in "Science" veröffentlichten Erhebung kon­zen­trierten sich die Forscher ganz bewusst auf den Hippokampus. Dieser Bereich des Gehirns spielt eine zentrale Rolle bei grundlegenden Gedächtnis­vorgängen. Dazu gehört zum Beispiel, sich an den Namen eines Menschen zu erinnern. Diese Region wurde bei allen Teilnehmern mit detaillierten Scans analysiert und letztlich die Gedächtnisleistung beurteilt.

Den Teilnehmern wurden Fotos von Gesichtern gezeigt und gleichzeitig Wörter vorgespielt, die mit den Motiven nichts zu tun hatten. Sie sollten sich dann an die Wort-Foto-Paare erinnern. Mit Hilfe eines Geräts wurden dann kurze elektromagnetische Impulse auf den Bereich über dem Hippokampus abgegeben. Diese Sitzungen wurden an fünf aufeinanderfolgenden Tagen jeweils 20 Minuten lang durchgeführt.

Die Teilnehmer schnitten danach bei den Gedächtnistests deutlich besser ab. Dieser Effekt blieb auch 24 Stunden nach der Beendigung der Sitzungen bestehen. Sie machen jetzt 30 Prozent weniger Fehler als vorher. Es konnten jedoch keine Verbesserungen festgestellt werden, wenn ein Gerät eingesetzt wurde, das keine wirkliche Funktion hatte.

Interessant für Demenzkranke

Laut Voss ist es damit erstmals gelungen nachzuweisen, dass bestimmte Gedächtnis­funktionen im Gehirn von Erwachsenen ohne chirurgische Eingriffe oder Medikamente verbessert werden können. Ganz abgesehen davon hätten sich diese Ansätze laut dem Wissenschaftler als wenig erfolgreich erwiesen.

"Dieses nicht-invasive Verfahren verbessert die Fähigkeit, neue Dinge zu lernen. Es verfügt über ein unglaubliches Potenzial zur Behandlung von Gedächtnisstörungen", so Voss. Derzeit erforschen die Forscher, wie sich das Gedächtnis im höheren Alter verändert. Sie hoffen, bald mit Studien beginnen zu können, deren Teilnehmer erste Anzeichen einer Demenz zeigen.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20140829016 abrufbar.

Freitag, 21. Februar 2014

Nebenwirkungen des Fernsehens

Fernsehen schädigt in der Entwicklung befindliche Hirnstrukturen

Fernsehen schädigt in der Entwicklung befindliche Hirnstrukturen
(Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa)

Das Fernsehen hat eine hypnotische Wirkung, nicht wahr? Nicht selten finden wir uns energielos auf dem Sofa wieder und sind so gefesselt von der laufenden Sendung, dass wir uns Mühe geben müssen, unseren natürlichen Bedürfnissen nachzukommen. Die sehr bunten und sich in ständiger Bewegung befindlichen Bilder nehmen unsere ganze Aufmerksamkeit ein - das gilt sowohl für Erwachsene als insbesondere auch für Kinder.

Frage nach den Auswirkungen des Fernsehens

Aber welche Auswirkungen haben diese Stunden vor dem Fernseher in unserer Kindheit?

Während zahlreiche Studien die schädlichen Auswirkungen des Fernsehens auf die Entwicklung bestimmter kognitiver Fähigkeiten, insbesondere der verbalen Fähigkeiten, bereits nachgewiesen haben, hat sich ein japanisches Team mit den Folgen für die sich in der Entwicklung befindliche Hirnstruktur beschäftigt.

Studie

Die Wissenschaftler haben das Volumen der grauen und weißen Hirnsubstanz in bestimmten Regionen des Gehirns bei 276 Jungen und Mädchen im Alter von 5 bis 18 Jahren gemessen. Anschließend haben sie nach einer bestehenden Korrelation zwischen den aufgedeckten Volumina und der vor dem Fernsehen verbrachten Zeit gesucht. Die strukturellen Veränderungen im Laufe der Entwicklung wurden ebenfalls unter Beobachtung der Gehirne derselben Kinder in unterschiedlichen Entwicklungsstadien untersucht.

Ergebnisse

Die Wissenschaftler sind dabei auf eine Verdichtung in verschiedenen Hirnregionen gestoßen, insbesondere beim präfrontalen Cortex, der im Zusammenhang mit bestimmten intellektuellen Fähigkeiten steht (Handlungs­planung und Bewältigung mehrerer Aufgaben). Allerdings scheint diese Verdichtung nicht mit einer Verbesserung dieser Hirnleistungen verknüpft zu sein. Im Gegenteil nehmen einige kortikale Regionen im Laufe der normalen Entwicklung (von der frühen Kindheit bis zum Erwachsenenalter) ab.

Die japanischen Wissenschaftler haben zudem die negative Korrelation zwischen der vor dem Fernsehen verbrachten Zeit und der verbalen Intelligenz bestätigt und die Schlussfolgerung aufgestellt, dass die festgestellten strukturellen Veränderungen dank dieser Studie mit den bekannten Defiziten im Bereich kognitiver und emotionaler Fähigkeiten von Kindern, die zu viel Zeit vor dem Fernsehen verbringen, in Verbindung gebracht werden könnte. - (Zusammenfassung der Studienergebnisse)

Quelle: Takeuchi H. et al. (2013). The Impact of Television Viewing on Brain Structures: Cross-Sectional and Longitudinal Analyses. Cereb. Cortex. 2013. doi: 10.1093/cercor/bht315
PDF "The Impact of Television Viewing on Brain Structures: Cross-Sectional and Longitudinal Analyses"


Dieser Artikel wurde von HappyNeuron.de veröffentlicht und ist unter http://www.happyneuron.de/wissenschaftliche-themen/nebenwirkungen-des-fernsehens abrufbar.

Freitag, 10. Januar 2014

Gut für das Gehirn: Fotografieren und Nähen

Intellektuell stimulierende Aktivitäten verbessern die Gehirnfunktionen

Gut für das Gehirn: Fotografieren und Nähen
(Foto: Corbis)

Sich neuen mentalen Herausforderungen zu stellen, wirkt sich positiv auf die Gehirnfunktionen bei über 60-Jährigen aus. Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher um die Neurowissenschaftlerin Dr. Denise Park der University of Dallas in Texas, deren Studie in der Fachzeitschrift "Psychological Science" veröffentlicht wurde.

Studie

Die Studie wurde im Rahmen des Projekts "Synapse" durchgeführt und hatte zum Ziel, die Auswirkungen verschiedener Bedingungen auf die kognitive Gesundheit von Personen im Alter zwischen 60 und 90 Jahren zu messen. Hierzu wurden die Studienteilnehmer in verschiedene Gruppen aufgeteilt.

Die drei ersten Gruppen beschäftigten sich mit kognitiv anspruchsvollen Aktivitäten: Eine der Gruppen widmete sich der Digitalfotografie, bei der (durch verbale Anweisungen) das Erinnerungsvermögen und die logische Denkfähigkeit bei der Verwendung der Geräte und einer entsprechenden Bildbearbeitungssoftware beansprucht werden. Eine andere Gruppe beschäftigte sich mit computergestütztem Nähen. Bei dieser Aktivität werden das Bildgedächtnis (für das Gestalten der Motive) und das logische Denkvermögen (für die Verwendung der Nähmaschine) stimuliert.

Die Teilnehmer in zwei weiteren Gruppen verbrachten Zeit mit Aktivitäten, die nur eine geringe kognitive Leistung erfordern, wie z. B. Spielen, Museumsbesuche oder Musik hören. Die Aktivitäten wurden sowohl in der Gruppe als auch allein durchgeführt.

Ergebnisse

Lediglich bei den ersten drei Teilnehmergruppen wurde eine signifikante Leistungssteigerung des Arbeitsgedächtnisses festgestellt. Eine Verbesserung der Gehirnfunktionen bei den Personen, die Gruppenaktivitäten durchgeführt hatten, konnten die Forscher wie erwartet nicht feststellen. Die Forscher schließen daraus, dass nicht alle Aktivitäten gleich wirkungsvoll sind. Vielmehr sei es wichtig, sich mit Dingen zu beschäftigen, die neu und gleichzeitig intellektuell stimulierend sind.

Quelle: Park D. et al. (2013). The Impact of Sustained Engagement on Cognitive Function in Older Adults - The Synapse Project. Psychological Science, November 8, 2013, doi: 10.1177/0956797613499592
PDF "The Impact of Sustained Engagement on Cognitive Function in Older Adults: The Synapse Project"

Dienstag, 5. November 2013

Neuro-Headset bremst Auto bei Ablenkung sofort ab

"Attention Powered Car" überwacht den Fahrer mit 14 Spezial-Sensoren

Neuro-Headset: überwacht Gehirnaktivität beim Fahren
(Foto: emotiv.com)

Perth/Salzburg (pte004/05.11.2013/06:15) -
Dank des "Attention Powered Cars" haben gefährliche Ablenkungen während des Autofahrens künftig keine Chance mehr. Das mit dem Spezialsystem ausge­stattete Fahrzeug ist vom Royal Automobile Club of Western Australia in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Emotiv entwickelt worden. Mithilfe einer Software wird die Gehirnaktivität des Lenkers über ein Headset mit den Automotoren in Verbindung gesetzt. Treten etwaige Störfaktoren auf, so wird ein Signal an das Fahrzeug gesendet und dieses bremst automatisch ab.

Reaktion muss angekündigt werden

"Die Ablenkung während des Autofahrens ist grundsätzlich ein durchaus akutes Problem. Da es viele Quellen von Distraction gibt, die während des Fahrens zum Tragen kommen, ist es wichtig, verschiedene Messkanäle (Multi-Level Measurement) heranzuziehen, um diese festzustellen und entsprechend darauf zu reagieren", schildert Manfred Tscheligi, Experte für Ablenkung im Auto und Leiter des Christian Doppler Labors "Contextual Interfaces" an der Universität Salzburg, gegenüber mit pressetext.

Dabei könnte sich das System als hilfreich erweisen. "Wenn man dieses Konzept als einen dieser Kanäle im Multi-Level Measurement begreift, so ist ein solcher Ansatz sicher interessant, um Ablenkung zu konstatieren", erläutert der Experte. Dennoch gäbe es noch Optimierungspotenzial. "Das unmittelbare Reagieren des Fahrzeugs ist mit Vorsicht zu betrachten. Hier benötigt der Fahrer jedenfalls eine Rückmeldung, wie das Fahrzeug mit der Feststellung von Ablenkung umgehen wird, bevor es automatisch passiert", erklärt Tscheligi.

Sensoren ermitteln Gehirnaktivität

Das Headset verfügt über 14 unterschiedliche Sensoren, welche die elektrische Aktivität im Frontallappen, Parietallappen, Temporallappen sowie Occipitallappen des Gehirns überwachen. Wird der Lenker durch einen Störfaktor abgelenkt, so sendet die Software ein Signal an das Fahrzeug, wodurch dieses auf der Stelle abgebremst wird. Mithilfe dieses Devices kann nicht nur ermittelt werden, ob sich der Fahrer statt auf den Verkehr auf das Radio konzentriert oder seinen Kopf länger von der Straße abwendet, sondern auch, ob die Blinkgeschwindigkeit konstant bleibt. Die Technologie wurde erstmals in einem Hyundai i40 getestet.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20131105004 abrufbar.

Montag, 26. August 2013

Sucht: Kokain bewirkt rasche Gehirnveränderung

Bereits zwei Stunden nach der Einnahme wird Abhängigkeit erlernt

Nervenzellen im Gehirn: Kokain verändert die Struktur
rasend schnell (Foto: SPL)

Berkeley/San Francisco (pte018/26.08.2013/11:10)
Der Konsum von Kokain kann die Struktur des Gehirns innerhalb von Stunden in Richtung erster Schritte einer Drogenabhängigkeit verändern, wie die University of California Berkeley und die University of California San Francisco herausgefunden haben.

Dendritische Dornen relevant

Tierversuche haben laut einem Bericht in Nature Neuroscience gezeigt, dass neue Strukturen in Zusammenhang mit dem Lernen und dem Gedächtnis kurz nach der Einnahme der Droge zu wachsen begannen. Die Mäuse mit den größten Veränderungen wiesen auch eine größere Präferenz für Kokain auf. Experten beschreiben diesen Vorgang als Erlernen einer Sucht durch das Gehirn.

Das Team um Linda Wilbrecht suchte nach winzigen Erhebungen des Gehirns, den sogenannten dendritischen Dornen. Sie spielen bei der Bildung von Erinnerungen eine entscheidende Rolle. Der Ort oder die Umgebung, in der Drogen konsumiert werden, spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung einer Sucht.

Bei Experimenten wurde den Mäusen erlaubt, zwei verschiedene Kammern frei zu erkunden. Jede der beiden Kammern verfügte über einen anderen Geruch und eine andere Oberfläche. Hatten die Tiere ihren bevorzugten Platz ausgesucht, wurde ihnen Kokain injiziert. Mittels Lasermikroskopie wurde in den Gehirnen der Mäuse nach den dendritischen Dornen gesucht.

Neue Erinnerungen durch Droge

Die Tests haben gezeigt, dass sich mehr dendritische Dornen bildeten, wenn den Tieren anstelle von Wasser Kokain injiziert wurde. Damit liegt nahe, dass mit dem Drogenkonsum auch neue Erinnerungen geschaffen wurden. Der Unterschied konnte innerhalb von zwei Stunden nach der ersten Dosis Kokain festgestellt werden.

Laut Wilbrecht liefern diese Bilder klare Beweise dafür, dass Kokain zu einer raschen Zunahme neuer Dornen führt. "Je mehr Dornen die Mäuse ausbildeten, desto mehr hatten sie auch über die Droge gelernt. Damit wird ein möglicher Mechanismus beim Drogenkonsum erklärbar, der dazu führt, dass wieder ein Verlangen nach dieser Substanz entsteht." Mit diesen Veränderungen im Gehirn könnte auch erklärt sein, wie das Suchtverhalten beim Menschen für das Treffen von Entscheidungen zum dominierenden Faktor wird.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20130826018 abrufbar.

Montag, 16. Mai 2011

Menschliches Gehirn lernt durch feine Details

Nicht viel sondern detailreiches Wissen macht Menschen zu Experten

Wein: Feine Details machen zum Experten
(Foto: aboutpixel.de/Gerd Gropp)

Berlin (pte004/16.05.2011/06:15) - Experte auf einem Gebiet wird man nicht etwa durch die Verarbeitung von immer mehr Wissen, sondern durch die Fähigkeit, Feinheiten zu unterscheiden. Das haben Wissenschaftler der Charité - Universitätsmedizin Berlin, des Bernstein Zentrums Berlin, des Exzellenzclusters NeuroCure und der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg ermittelt. Sie konnten auch orten, welche Gehirnregionen aktiv sind, wenn man seine Wahrnehmung schult.

Warum erkennen Weinkenner beim ersten Schluck die Eigenschaften einer Traube? Wie können Künstler auch winzige Farbabweichungen erkennen? Und warum können Blinde feinste Oberflächenstrukturen erfühlen? "Lange Zeit hat man gedacht, dass bestimmte Menschen mehr Informationen aufnehmen können - jetzt weiß man: Es kommt offensichtlich auf die Verarbeitung an", sagt Johannes Faber, Sprecher des Bernstein Zentrums Berlin in einem Gespräch mit pressetext.

Lernvorgang findet auf Wahrnehmungsebene statt

Die Forscher haben am Beispiel visueller Reize untersucht, wie sich die Hirnaktivität im Laufe eines Lernprozesses verändert. Dafür maßen sie Änderungen der Nervenzellaktivität im Gehirn mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie. "Die große Frage war: Kann der Experte mehr Informationen herausziehen und verarbeiten? Oder verarbeitet er die Information bessern?", erklärt Faber.

"Die fMRT-Messungen zeigten deutlich, dass die Aktivität im Sehzentrum während des gesamten Lernvorgangs gleich blieb", erklärte John-Dylan Haynes, Leiter der Studie. Eine Region im präfrontalen Kortex, wo anspruchsvollere Aufgaben verarbeitet werden, wurde stetig aktiver. Daraus schlossen die Forscher, dass der Lernvorgang auf der Ebene der Entscheidungsfindung stattfindet.

"Wenn sich unsere Wahrnehmung beim Lernen schärft, dann liegt dies nicht so sehr daran, dass mehr Information das Gehirn erreicht", folgerte Professor Haynes. Stattdessen lernen Menschen, mit der gegebenen Information immer mehr anzufangen. Menschen sehen nach und nach in Bildern Details, die uns zu Beginn nicht bewusst sind. "Wie schnell die Details wahrgenommen werden, ist von Mensch zu Mensch und von Aufgabe zu Aufgabe unterschiedlich", sagt Faber.


Diese Meldung wurde von pressetext.austria ausgedruckt und ist unter http://www.pressetext.com/news/20110516004 abrufbar.

Freitag, 23. April 2010

Lernen im Traum

Gehirn kann Aufgaben im Schlaf lösen

Patient im Schlaflabor: Träume helfen beim Lernen
(Foto: DPA)

In Träumen verarbeitet das Gehirn, was es tagsüber gelernt hat. Wie erfolgreich es dabei ist, sollte ein Computer-Experiment klären. Von den Ergebnissen waren selbst die Wissenschaftler überrascht.

Im Schlaf kommt es im Hirn zu erstaunlichen Vorgängen - unter anderem schreiben Forscher ihm die Fähigkeit zu, die Erfahrungen des Tages zu verarbeiten und zu verfestigen. Jetzt haben israelische und amerikanische Forscher in Experimenten zum räumlichen Lernen herauszufinden versucht, wie gut das Gehirn im Schlaf lernt - und sind zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen.

Die Studie

Die 99 Studienteilnehmer konnten zuerst eine Stunde lang ihre Orientierungsfähigkeit virtuell trainieren: Sie mussten versuchen, am Computer so schnell wie möglich einen Endpunkt in einem dreidimensionalen Labyrinth zu erreichen. Danach hielt die Hälfte der Probanden ein Nickerchen von 90 Minuten, die anderen blieben wach, wobei sie sich passiv beschäftigten - beispielsweise durch das Anschauen von Videos.

Die Schläfer wurden eine Minute nach dem Eintreten in einen kontinuierlichen Schlaf wieder geweckt und mussten dann beschreiben, was sie geträumt hatten. Danach schliefen sie ungestört weiter und berichteten anschließend wieder über ihre Träume. Die Wachenden mussten mehrmals während der eineinhalbstündigen Pause sagen, was ihnen gerade durch den Kopf ging. Fünf Stunden nach dem ersten Training am Computer wurden alle Teilnehmer erneut auf ihre Schnelligkeit im Irrgarten getestet.

Das überraschende Resultat: Wer zuvor Träume mit einer Beziehung zur Aufgabe erlebt hatte, zeigte dramatische Verbesserungen beim Spiel. Der Zeitgewinn lag bis zu zehnmal höher als bei den Schläfern ohne die labyrinthbezogene Traumarbeit, die sich nur minimal verbesserten. Die Wachenden dagegen stagnierten völlig, sogar wenn sie während der Pause über die Irrgarten-Aufgabe nachgedacht hatten, schreiben die Wissenschaftler um Erin Wamsley von der Harvard Medical School in Boston im Fachmagazin Current Biology (siehe Original-Artikel in Englisch).

Träume ein Nebenprodukt der Erfahrungsverarbeitung?

Bei den erfolgreichen Träumern wurde die deutliche Verbesserung auch festgestellt, wenn die Träume nur von einem nebensächlichen Aspekt des Computerspiels handelten. "Die Träumer beschrieben ganz unterschiedliche Erlebnisse - das Hören der Begleitmusik des Spiels, ein Feststecken in einer labyrinthähnlichen Höhle mit Fledermäusen, den Anblick von Personen an einer Kreuzung", sagt Wamsley.

Die Ergebnisse deuten nach Ansicht der Forscher darauf hin, dass unser Gehirn während eines Traums mit dem Verarbeiten von neuen Informationen und Lerninhalten beschäftigt ist. Zugleich werden die gewonnenen Erfahrungen in einen größeren Zusammenhang gestellt - beispielsweise könnten die Labyrinth-Erfahrungen bei der Frage verwendet werden, wie ein Mensch mit vielen Informationen umgeht./p>

Träume verbessern Lernfähigkeit und Gehirnleistung

"Die Träume scheinen diese unbewusste Gehirnaktivität als Nebenprodukt zu begleiten", sagt Co-Autor Robert Stickgold. Es seien also wohl nicht die Träume, die zu einer besseren Gehirnleistung verhelfen würden, sondern diese seien nur ein Zeichen, dass einige Gehirnregionen aktiv neue Erfahrungen verarbeiteten.

Interessanterweise waren die Personen, die von der Labyrinth-Aufgabe träumten und sich dann im zweiten Durchgang stark verbesserten, im ersten Durchgang relativ schlecht gewesen. Das Gehirn beschäftigt sich also vermutlich während des Träumens mit den Inhalten, die ein Mensch noch nicht beherrscht.

Die Wissenschaftler werden nun ihre Studie mit längeren Schlafzeiten in der Nacht wiederholen. Sie hoffen, aus ihren Experimenten schließlich praktische Informationen zu erhalten, wie wir im Traum unsere Lernfähigkeit und Gehirnleistung verbessern können.


Dieser Artikel wurde von Spiegel online veröffentlicht und ist unter Lernen im Traum: Gehirn kann Aufgaben im Schlaf lösen abrufbar.

Montag, 1. März 2010

Innere Uhr im Hirn

Warum man nachts keinen Durst hat

Die innere Uhr im Gehirn
(Foto: Charles Bourque)

Wer fest schläft, hat keine Bedürfnisse - auch keinen Durst. Doch warum trocknet der Körper nachts nicht aus? Forscher haben jetzt einen Mechanismus entdeckt, der den Wasserhaushalt reguliert. Eine innere Uhr im Gehirn steuert dabei eine ganze Reihe von Nervenzellen und die Ausschüttung eines Hormons.

Nachts, wenn wir schlafen, fährt der Körper so manche Aktivität herunter. Auch die Grund­bedürfnisse spielen dann nur noch eine untergeordnete Rolle. So kommt es in der Regel nur selten vor, dass wir nachts etwa durstig sind. Doch wie kommt es, dass der Körper nicht austrocknet, während er stundenlang dämmert und keine Flüssigkeit bekommt?

Ein Hormon regelt den Wasserhaushalt

Die Neurophysiologen Eric Trudel und Charles Bourque vom Research Institute des McGill University Health Centre in Montreal haben auf diese Frage jetzt eine Antwort gefunden: Ihren Experimenten zufolge reguliert die innere Uhr im Gehirn den Wasserhaushalt über die Ausschüttung des Hormons Vasopressin ins Blut. Dieser Botenstoff ist für den Körper das Signal, dass er Flüssigkeit speichern soll.

"Seit Jahren wussten wir, dass die Ausschüttung von Vasopressin dem Tagesrhythmus folgt", erklärt Christopher Colwell, ein Neurobiologe von der University of California in Los Angeles, der den Schlaf und die innere Uhr des Menschen erforscht. "Doch bisher konnte niemand erklären, wie das funktioniert", so Colwell. Im Fachmagazin Nature stellen Trudel und Bourque nun einen genauen Mechanismus vor, wie der Körper den Wasser­haushalt nachts reguliert. (Originalartikel)

Neuronale Kaskade wird in Gang gesetzt

In erster Linie sorgt das Gefühl von Durst für den Flüssigkeitsnachschub. Umgekehrt werden überflüssige Mengen über den Urin entsorgt. Weil Menschen nachts für gewöhnlich nichts trinken, muss der Wasserverlust minimiert werden, um das Austrocknen zu verhindern. Bisher wussten die Wissenschaftler, dass ein niedriger Flüssigkeitspegel eine Gruppe von Nervenzellen aktiviert, die sogenannten osmosensorischen Neuronen. Diese regen wiederum eine andere Neuronen-Gruppe an, die das Hormon Vasopressin ins Blut abgeben.

Ebenso bekannt war die Tatsache, dass der Vasopressin-Spiegel nachts ansteigt. Im Gegensatz dazu sinkt die Aktivität der Nervenzellen im sogenannten Nucleus suprachiasmaticus - demjenigen Areal im Gehirn, der als Taktgeber des tageszeitlichen Rhythmusses gilt.

Die Studie

Trudel und Bourque untersuchten für ihre Studie, ob die geringe Aktivität der "Zeit-Neuronen" dazu führt, dass die Vasopressin-Neuronen das Hormon leichter ausschütten und der Körper somit mehr Wasser speichert und weniger Urin produziert.

Dafür beobachteten die Forscher die Aktivität der entsprechenden Neuronen-Gruppen in Hirnen von Ratten. Sie stimulierten osmosensorische Nervenzellen und beobachteten die Reaktion der Vasopressin-Neuronen, indem sie deren elektrische Aktivität aufzeichneten. Zudem untersuchten sie den Effekt der "Zeit-Neuronen" auf die Kommunikation zwischen diesen beiden Nervenzell-Gruppen.

Das Ergebnis

Das Ergebnis bestätigte die Vermutungen der Forscher. Demnach wirkten die "Zeit-Neuronen" wie ein Dimmschalter für die Wasserregulierung: Ist ihre Aktivität hoch, verhindern sie die Ausschüttung von Vasopressin - sind sie weniger aktiv, können die osmosensorischen Nervenzellen die Vasopressin-Neuronen besser dazu anregen, das Hormon auszuschütten.

Ob man das Ergebnis auch auf den Menschen übertragen kann, bleibe dennoch fraglich, sagt Colwell. Schließlich sind Ratten nachtaktive Tiere. Dennoch seien der Vasopressin-Zyklus und die Aktivität der Zeit-Neuronen in Ratten und Menschen sehr ähnlich.

siehe auch: Fotostrecke

Dieser Artikel wurde von Spiegel online veröffentlicht und ist unter Innere Uhr im Hirn: Warum man nachts keinen Durst hat abrufbar.