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Donnerstag, 20. Februar 2014

Gedankensteuerung macht Gelähmte beweglicher

Neue Avatar-Steuerung schon bei zwei Affen erfolgreich durchgeführt

Affen: Wissenschaftler wollen Lähmungen überbrücken
(Foto: SPL)

Boston (pte001/20.02.2014/06:00)
Wissenschaftler der Harvard Medical School haben das Gehirn eines Affen dazu genutzt, um die Bewegungen eines anderen Tieres, also eines "Avatars", zu kontrollieren. Scans der Signale im Gehirn des Haupttieres wurden eingesetzt, um das Rückenmark des Avatars zu stimulieren und damit kontrollierte Bewegungen herbeizuführen.

Chip im Gehirn implantiert

Das Team hofft, dass dieses Verfahren soweit weiter­entwickelt werden kann, dass es eines Tages gelähmten Menschen die Kontrolle über ihren Körper wiedergeben kann. Die im Fachmagazin Nature Communications veröffentlichten Studienergebnisse gelten als entscheidender Fortschritt in der Wissenschaft, berichtet die BBC.

Schädigungen des Rückenmarks können zu einer Unterbrechung des Nachrichtenflusses zwischen Gehirn und Körper führen. Die Betroffenen können nicht mehr alleine gehen oder essen. Die Forscher versuchen jetzt diese Blockade maschinell zu überbrücken. Das Team konnte es nicht rechtfertigen, einem Affen eine Lähmung zuzufügen. Daher wurden zwei Affen eingesetzt - ein Hauptaffe und ein sedierter Avatar.

Dem Haupttier wurde ein Chip in das Gehirn implantiert, der die Aktivität von bis zu 100 Neuronen überwachen konnte. Während des Trainings wurden die körperlichen Aktivitäten des Affen mit den Mustern der elektrischen Aktivität in den Neuronen abgeglichen. Dem Avatar wurden 36 Elektroden ins Rückenmark implantiert. In der Folge wurden Tests durchgeführt, wie sich die Stimulierung verschiedener Kombinationen von Elektroden auf die Bewegung auswirkte.

System funktioniert fast perfekt

Die beiden Affen wurden miteinander verbunden, sodass die Gehirnscans des einen in Echtzeit die Bewegungen des anderen kontrollierten. Das sedierte Tier hatte einen Joystick, während das Haupttier daran denken musste, einen Cursor hinauf oder hinunter zu bewegen. Bei 98 Prozent der Tests konnte das Haupttier den Arm des Avatars richtig kontrollieren.

Laut Ziv Williams, einer der Autoren der Studie, will man Patienten mit einer Lähmung des Hirnstamms oder des Rückenmarks zu einer Überbrückung der Verletzung verhelfen. "Die Hoffnung besteht darin, eines Tages vollständig natürliche Bewegungen erzielen zu können. Ich gehe davon aus, dass das theoretisch möglich ist. Dafür werden jedoch außerordentliche weitere Anstrengungen erforderlich sein", sagt Ziv.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20140220001 abrufbar.

Donnerstag, 6. Februar 2014

Bionische Hand gibt Amputierten Gefühl wieder

Konsistenz von Objekten bestimmbar - Direktes Feedback an das Gehirn

Dennis Aabo: erste Tests im Labor überaus erfolgreich
(Foto: epfl.ch)

Pisa/Lausanne (pte009/06.02.2014/10:00) -
Forscher haben eine bionische Hand geschaffen, die Patienten mit Amputationen das Gefühl in den Fingern wiedergeben soll. Der Däne Dennis Aabo wurde mit einer derartigen Hand ausgestattet, die mit den Nerven in seinem Oberarm verbunden ist. Der Patient selbst ist mit dem Ergebnis des Eingriffes sehr zufrieden. Es gelang Aabo bei Tests die Form und Konsistenz von Objekten zu bestimmen, die er aufhob. Das Gelang auch wenn ihm die Augen verbunden waren.

Gefühl in Echtzeit

Laut Silvestro Micera von der Ecole Polytechnique Federale de Lausanne und der Scuola Superiore Sant'Anna ist es damit erstmals gelungen, einem Patienten mit einer Prothese ein wirkliches Gefühl in der Hand in Echtzeit wiederzugeben. Der Fortschritt liegt nicht in der Hand selbst, sondern in der Elektronik und der Software, die das Feedback an das Gehirn ermöglichen. Die Wissenschaftler rüsteten die künstliche Hand mit Sensoren aus, die Informationen über Berührungen entdecken und messen können. Mithilfe von Computeralgorithmen wurden elektrische Signale in Impulse umgewandelt, die von den Nerven erkannt werden konnten.

Während einer Operation in Rom wurden vier Elektroden an den Nerven des Oberarms des Patienten angebracht. Sie wurden mit künstlichen Sensoren in den Fingern der Prothesenhand verbunden und ermöglichten so, Informationen über berührte Gegenstände und den dabei ausgeübten Druck direkt an das Gehirn weiterzuleiten. Aabo absolvierte einen Monat lang Tests. Der größte Unterschied lag für ihn darin, dass er, wenn er etwas berührte, fühlen konnte, was er tat, ohne hinschauen zu müssen. "Ich könnte die Hand auch im Dunkeln benutzen."

Prototyp wird erweitert

Die bionische Hand ist noch immer ein Prototyp. Aufgrund der Sicherheitsauflagen bei klinischen Studien mussten die Sensoren in einer zweiten Operation wieder entfernt werden. Für Paolo Rossini vom Policlinico Universitario Agostino Gemelli in Rom ist Aabo ein Held. "Er hat für diese Tests einen Monat seines Lebens investiert und zwei Operationen über sich ergehen lassen." Das Wissenschaftlerteam arbeitet derzeit an der Verkleinerung der Technologie, damit auch ein Einsatz zu Hause möglich wird. Laut Thomas Stieglitz von der Universität Freiburg müssen die externen Kabel verschwinden und voll implantierbar werden.

Vor kurzem veröffentlichten Wissenschaftler in Cleveland ein Video eines Patienten, der mit einer künstlichen Hand die Stiele von einer Kirsche pflückt. Diese Forschungsergebnisse müssen jedoch erst in einem wissen­schaftlichen Fachmagazin veröffentlicht werden. Experten gehen derzeit davon aus, dass es noch rund ein Jahrzehnt dauern wird, bis derartige Prothesen auf den Markt kommen können. Mittlerweile sind auch Prothesen denkbar, die Beschaffenheiten und Temperatur erkennen können. Details der Studie wurden im Fachmagazin Science Translational Medicine veröffentlicht.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20140206009 abrufbar.

Mittwoch, 28. August 2013

Forscher steuert Finger von Kollegen über das Web

"human-to-human brain interface" erstmals erfolgreich getestet

Ferngesteuerte Forscher: Rajesh Rao und Andrea Stocco
(Foto: washington.edu)

Washington (pte018/28.08.2013/13:40)
Forschern der University of Washington ist es eigenen Aussagen zufolge erstmals gelungen, die Bewegungen einer Testperson über das Internet vom Gehirn eines anderen Menschen aus zu steuern. Mithilfe des eigens für diese Zwecke entwickelten "human-to-human brain interface" konnte demnach ein Wissenschaftler einen Kollegen am anderen Ende des Universitäts­campus dazu bringen, mit einem Finger eine bestimmte Keyboard-Taste zu drücken. Möglich wird dies durch ein ausgeklügeltes System aus Elektroenzephalografie (EEG) und transkranieller Magnetstimulation (TMS), die die beiden Gehirne der Probanden quasi miteinander "vernetzt". Bislang können auf diese Weise allerdings nur sehr einfache Informationen ausgetauscht werden.

"Das Internet war einmal eine Möglichkeit, um Computer zu vernetzen. Jetzt funktioniert das auch mit menschlichen Gehirnen", erklären die beiden Projektleiter Andrea Stocco und Rajeh Rao von der University of Washington. "Unser Ziel ist es, das gesamte Wissen eines Gehirns zu nehmen und es direkt von einem Hirn in ein anderes zu transferieren", fassen sie ihre längerfristige Vision zusammen. Bislang habe man aber nur den ersten Schritt geschafft. "Es war sowohl aufregend als auch unheimlich zu sehen, wie eine gedachte Handlung meines Gehirns in ein anderes übertragen und dort in eine tatsächliche Aktion umgesetzt wird", beschreiben die Froscher das erfolgreiche Selbstexperiment.

YouTube-Video als Beweis

Um der Öffentlichkeit zu beweisen, dass ihr human-to-human brain interface tatsächlich funktioniert, haben die beiden Wissenschaftler ihren innovativen Versuch per YouTube-Video festgehalten. Darin wird auf der linken Seite Rao gezeigt, wie er mit einer elektroenzephalografischen Haube auf dem Kopf vor einem Computerspiel ohne Steuerelement sitzt. Rechts in Bild ist sein Kollege Stocco mit einer Kappe für transkranielle Magnetstimulation und dem Steuerknopf von Raos Spiel zu sehen, der in einem anderen entfernten Gebäude sitzt.

Der Test verlief folgendermaßen: Rao musste auf einen Computerbildschirm schauen und in seinen Gedanken ein simples Videospiel spielen. Immer dann, wenn er dabei eine kleine Kanone auf ein Ziel abfeuern sollte, stellte er sich vor, mit seiner rechten Hand einen speziellen Kommando-Button zu drücken. Seine Hand selbst durfte er nicht bewegen. Hier kam Kollege Stocco ins Spiel, dessen rechter Zeigefinger sich beinahe ohne jegliche Zeitverzögerung in Richtung der richtigen Keyboard-Taste bewegte, um den Befehl zum Schuss auszuführen. Immer wenn also Rao seinen Finger bewegen wollte, betätigte Stocco den Auslöser auf der Steuertastatur.

Mensch-zu-Mensch-Übertragung

Dass die Entwicklung im Bereich der Computer-to-Brain-Interfaces in den vergangenen Jahren rasant voran­geschritten ist, zeigen erfolgreiche Versuche mit Mäusen. Erst Anfang dieses Monats sorgte etwa eine Meldung für Aufsehen, derzufolge es Forschern mithilfe von Computerbefehlen gelungen ist, bei den Nage­tieren falsche Erinnerungen hervorzurufen (pressetext berichtete: http://pte.com/news/20130805003). Auch im Brain-to-Brain-Bereich soll es bereits erste Erfolge mit Ratten gegeben haben.

Das aktuelle Beispiel aus Washington zeigt nun auch die entsprechenden Möglichkeiten auf, die Gehirne von Menschen miteinander zu verbinden. "Mit dieser Technologie kann man derzeit nur einige Arten von sehr einfachen Gehirnsignalen übertragen. Dadurch erhält niemand die Macht, die Handlungen einer anderen Person gegen ihren Willen zu steuern", schmettert Rao die Befürchtung vor gedankenkontrollierten Zukunftsvisionen ab. Als nächstes wollen die Forscher auch komplexere Informationen von einem menschlichen Hirn zu einem anderen transferieren.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20130828018 abrufbar.

Montag, 5. August 2013

Brain-Computer-Interfaces vor dem Durchbruch

Wissenschaftler rufen bei Mäusen falsche Erinnerungen hervor

Maus: falsche Erinnerungen werden hervorgerufen
(Foto: pixelio.de, U. Velten)

Saitama (pte003/05.08.2013/06:10) - Die Forschung ist dem Manipulieren von Erinnerungen und dem Herunterladen von Befehlen aus Computern direkt in das Gehirn einen Schritt nähergekommen. Dem Riken-M.I.T, Center for Neural Circuit Genetics ist es gelungen, bei Mäusen falsche Erinnerungen hervor­zurufen. Die Forscher schreiben in Science, dass die Tiere dazu gebracht wurden, sich an einen Elektro­schock an einer bestimmten Position zu erinnern, der in der Wirklichkeit an einer völlig anderen Stelle zugefügt worden war.

Erinnerungen mit neuer Bewertung

Obwohl es den Wissenschaftlern nicht gelang, völlig neue Gedanken zu erschaffen, konnten sie bestehende Erinnerungen jedoch mit positiven oder negativen Gefühlen in Zusammenhang bringen. Laut Steve Ramirez, einem der beteiligten Neurowissenschaftler, ging es nicht darum, neue Erinnerungen zu schaffen, sondern zwei verschiedene Arten von Erinnerungen miteinander zu verknüpfen.

"Wir haben eine neutrale Erinnerung genommen, die wir künstlich in eine negative umgewandelt haben." Das klingt vielleicht nicht nach einem großen Fortschritt und ist sicher auch keine gute Art, Mäuse zu behandeln. Es braucht jedoch nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass diese Forschung eines Tages zur Manipulation des Geistes mittels eines Computers führen könnte. Denkbar ist zum Beispiel laut Ramirez die Behandlung von Erkrankungen wie posttraumatischen Belastungsstörungen.

Hollywood-Visionen werden Realität

Forscher arbeiten bereits an Brain-Computer-Interfaces, die es ermöglichen sollen, unsere Smartphones oder Computern nur über den Geist zu bedienen. Es gibt bereits Gadgets, die Gedanken lesen können und es ermöglichen, virtuelle Objekte in einem Computerspiel zu manipulieren oder Schalter nur mit der Kraft der Gedanken ein- und wieder auszuschalten.

Die Wissenschaftler jedoch, die an der Manipulation der Erinnerungen arbeiten, scheinen die Grenzen des bisher Möglichen am weitesten zu verschieben. In zahlreichen Hollywood-Filmen wie "Eternal Sunshine of the Spotless Mind" kann ein Darsteller bereits einen Service nutzen, um die Erinnerungen an seine frühere Freundin aus dem Gedächtnis zu löschen.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20130805003 abrufbar.

Dienstag, 21. August 2012

Gedankensteuerung: Interface hackt Gehirn

Forscher extrahieren Informationen wie Pin-Codes aus Köpfen

Hirn durchleuchtet: Informationen nicht sicher
(Foto: pixelio.de, Dieter Schütz)

Bellevue (pte025/21.08.2012/13:55) - Wissenschaftler haben einen Weg gefunden, Gedankensteuerungs-Interfaces dazu zu verwenden, Informationen aus den Gehirnen von Probanden zu extrahieren. Forscher der Universitäten Oxford, Kalifornien und Genf haben gezeigt, dass Daten wie Pin-Codes gefunden werden können, indem den Versuchspersonen passende Bilder gezeigt werden, während sie Elektroden auf dem Kopf tragen. Bei bekannten Bildern verrät das Gehirn sich durch spezifische Signale. Das Verfahren ist bei weitem noch nicht perfekt, aber in 20 Prozent der Fälle konnte ein vierstelliger Pin-Code im ersten Versuch erraten werden.

Ihre Ergebnisse haben die Forscher bei der USENIX-Konferenz in Bellevue in den USA präsentiert. "Der Versuchsaufbau ist einfach nachvollziehbar. Haben die Probanden Assoziationen zu den gezeigten Bildern, entsteht im Hirn ein anderes Signal. Das evozierte Potenzial kann über die Elektroden abgelesen werden", sagt ein Experte gegenüber pressetext.

Geburtsmonat

Beim Erraten des Geburtsmonats der Versuchspersonen betrug die Erfolgsquote im ersten Anlauf sogar beinahe 60 Prozent. Hier wurden die Probanden via Bildschirm gefragt, in welchem Monat sie Geburtstag haben. Anschließend wurden in zufälliger Reihenfolge die Monatsnamen kurz eingeblendet und nach den verräterischen Hirnströmen gesucht. Mit ähnlichen Versuchsanordnungen haben die Wissenschaftler auch den Wohnort und den Namen der Bank, bei der die jeweilige Versuchsperson Kunde ist, zu erraten versucht. Hier liegen die Erfolgsquoten zwischen 20 und 30 Prozent. "Mit implantierten Elektroden könnte die räumliche Auflösung noch deutlich erhöht werden", so der Fachmann.

In einem weiteren Versuch wurde getestet, ob sich feststellen lässt, welche Gesichter in einer Reihe von Fotos den Probanden bekannt sind. "Um Gedankenlesen handelt es sich hierbei nicht. Eine Erfolgsquote von 30 Prozent ist relativ bescheiden", so der Spezialist. Die Forscher haben aber bewiesen, dass ihre Methode gegenüber zufälligem Raten eine 15 bis 40 Prozent erhöhte Erfolgswahrscheinlichkeit aufweist. Das Signal, auf das sich die Forscher konzentrieren, heißt P300. Zur Kalibrierung des Neuro-Interfaces mussten die Probanden einige Testläufe mit Bildern von Ziffern machen. So konnten die Forscher ihre Apparaturen auf die individuellen Hirne einstellen.

Künftige Sicherheitslücke

Mit ihrer Arbeit wollen die Wissenschaftler darauf hinweisen, dass Gedankensteuerungs-Interfaces, die sich unter anderem unter Videospielern immer größerer Beliebtheit erfreuen, ein Sicherheitsrisiko darstellen. "Solche Interfaces haben für Computerspiele sicher großes Potenzial, der eigentliche Nutzen liegt aber in der Medizin, wo vielen Patienten geholfen werden kann", sagt der Experte.

Die Wissenschaftler haben für ihre Experimente eine kommerziell erhältliche Elektrodenhaube verwendet. Die Geräte kosten mittlerweile nur noch um die 200 Euro. Über die Programmierschnittstellen können die gemessenen Hirnstrom-Daten praktisch beliebig verwendet werden. Mit cleveren Tricks könnten sich Außenstehende auf diesem Weg sensible Informationen aus den Köpfen der User holen.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20120821025 abrufbar.

Dienstag, 20. Dezember 2011

IBM: Gedankenlesen bis 2016 Realität

Computerkonzern sagt Technik-Meilensteine der nächsten Jahre voraus

Sportschuhe: Intelligente Energiegewinnung macht
unabhängig (Foto: IBM)

Armonk (pte001/20.12.2011/06:00) - Der Computer­riese IBM hat auch dieses Jahr wieder einen Blick in die Zukunft gewagt. Im Rahmen der "Next 5 in 5"-Reihe veröffentlicht das Unternehmen jährlich eine Aussicht darauf, welche technologischen Fortschritte den Alltag der nächsten fünf Jahre am deutlichsten prägen werden. Vorausgesagt wird etwa die Auflösung des Digidal Divides, fortschreitende Energie-Autarkie und die Erfindung des Gedanken­lesens.

Tiefer Blick ins Gehirn

Bis 2016, so erklärt ein von IBM veröffentlichtes Video, werden erste Schritte im Erkennen und Lesen menschlicher Gedanken bereits umgesetzt sein. Der technologische Fortschritt wird Ärzten und Wissenschaftlern helfen, Hirnaktivitätsmuster besser nachzu­vollziehen, um Störungen wie Autismus besser zu verstehen. Schon heute arbeiten IBM-Forscher daran, Geräte wie Smartphones auf diese Weise steuerbar zu machen. Texte per Gedanken zu diktieren, ist eine der nächsten Applikationen, die auf dem Weg zum Mindreading liegen.

"People Power" macht autark

Die Menschen, so die Prognose weiter, werden kaum noch externe Stromversorgung brauchen. "People Power" sorgt für Autarkie. Alles was in Bewegung ist, von Turnschuhen bis zum in den Leitungen fließenden Wasser, bietet Potenzial zur Elektrizitätserzeugung. Technik-Innovationen werden es möglich machen, diese Energie zu sammeln und zu nutzen, um Eigenheime, Arbeitsplätze oder gar ganze Städte damit zu versorgen.

Mobiltechnologie beseitigt digitalen Graben

Dank des rasanten Aufstiegs der Mobiltechnologien wird in fünf Jahren auch der "Digital Divide", der "Informationsgraben" zwischen industrialisierter Welt und den Schwellen- und Entwicklungsländern, verschwunden sein, verrät der Blick in die Zukunft. Denn 2016 werden 80 Prozent der Weltbevölkerung über ein mobiles Gerät verfügen. Menschen in entlegenen Gegenden hätten dann Zugriff auf die Wettervoraussage oder wüssten, wann der nächste Arzt im Dorf vorbeikommt. Mobile Vermarktung eröffnet dann auch neue Geschäftsmodelle und Formen der Zusammenarbeit.

Intelligente Benachrichtigungen ersetzen Spam

IBM sieht auch das Ende von Spam-Mails voraus und prognostiziert, dass uns intelligente Systeme zukünftig nur die für den Nutzer relevanten Informationen liefern werden, ohne dass dieser explizit danach fragen muss. So könnte man in Zukunft automatisch gewarnt werden, wenn Schlechtwetter eine geplante Reise betrifft oder man erhält einen Hinweis auf den Kartenvorverkauf, wenn die Lieblingsband in der Nähe auftritt. Das Smartphone könnte seinem User gar ganze Einkäufe abnehmen.

Iris-Scan statt Passwort-Chaos

Zu guter Letzt werden auch die oft verhassten Passwortmasken auf Websites zum Relikt der Vergangenheit. Anstatt lange Zeichencodes in Verbindung mit einem Usernamen einzugeben, wird der Login der Zukunft auf biometrische Merkmale zurückgreifen. Daten aus Iris-Scans und Stimmaufnahmen formen dank kluger Software ein einzigartiges Online-DNA-Passwort. Um Geld beim Automaten abheben zu können, wird der Kontoinhaber künftig über seine Stimme oder seine Augen erkannt. Man wird jedoch, auch das hält die Voraussage fest, weiterhin die Möglichkeit haben, selbst darüber zu entscheiden, welche Daten man preisgibt.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20111220001 abrufbar.

Mittwoch, 3. August 2011

Gedankensteuerung verhindert Verkehrsunfälle

Bremsweg lässt sich bei 100 km/h um eine Autolänge verkürzen

Testlauf am Simulator: Die Gedankensteuerung in Aktion
(Foto: BBCI/Haufe)

Berlin (pte026/03.08.2011/13:45) - Wenn es um die Verhinderung eines Verkehrsunfalls geht, ist eine schnelle Reaktionszeit des Autolenkers unumgänglich. Um die Sicherheit auf den Straßen zu verbessern, haben Forscher der Technischen Universität Berlin nun ein völlig neuartiges System entwickelt und erprobt, das den Bremsbefehl direkt aus dem menschlichen Gehirn auslesen kann. Das Ergebnis beeindruckt: Mit­hilfe der Hirnstrommessung kann der Brems­vorgang schon 130 Millisekunden früher eingeleitet werden als mit der herkömmlichen Fußbremsung. Je nach Ge­schwindigkeit verringert sich der Bremsweg auf diese Weise um mehrere Meter.

"Die Technologie der Notfall-Bremsunterstützung hat das Potenzial, eine sehr große Zahl von Verkehrsunfällen zu verhindern", heißt es in der entsprechenden Projektbeschreibung, die Stefan Haufe und sein Team von der TU Berlin in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Journal of Neural Engineering" veröffentlicht haben. "Zum ersten Mal greifen wir damit die Intention des Fahrers direkt am Ort und zu der Zeit seiner Entstehung ab: Im menschlichen Gehirn", so die Forscher. Bisher sei das Auslesen gezielter Befehle in einer realistischen Fahr­situation aufgrund der Komplexität der Vorgänge im Gehirn der Fahrer kaum möglich gewesen.

Erfolgreiche Versuchsreihe

Dass die entwickelte Technologie in der Praxis tatsächlich die Fahrsicherheit erhöhen kann, haben die Forscher mit einer speziellen Versuchsreihe bewiesen. Dabei mussten insgesamt 18 Probanden in einer Computer­simulation ein Fahrzeug steuern. Ihr Ziel war es, einem voranfahrenden Auto, das in zufälligen Zeitabständen Bremsungen durchführte, in etwa gleichbleibender Entfernung zu folgen. Um einen Zusammenstoß zu ver­hindern, mussten die Lenker blitzschnell reagieren.

Mittels Elektronenzephalogramm (EEG) und Elektromyografie (EMG) konnten die Wissenschaftler dabei jene Signale im Gehirn der Testpersonen ermitteln, die mit der Bremsabsicht verknüpft sind. Genau diese Muster wurden dann in weiteren Folgeversuchen dazu genutzt, um eine Bremsung im Simulator auszulösen. Hierbei stellte sich heraus, dass sich durch die "Kopfbremsung" der Bremsweg bei einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde um 3,66 Meter verringern lässt, was in etwa einer vollen Wagenlänge entspricht.

"Noch nicht praxistauglich"

Bis die von Haufe und seinem Team entwickelte Technologie die Marktreife erreicht hat, wird aber wohl noch einiges an Zeit vergehen. "Derzeit ist diese Technologie noch nicht praxistauglich", betont Haufe auf Nachfrage von pressetext. "Unsere Studie fand unter Laborbedingungen statt. Da realer Straßenverkehr viel komplexere Situationen beinhaltet, müssen wir zunächst untersuchen, ob unser System robust dagegen ist", so Haufe. Zudem müssten auch die verwendeten Sensoren einfacher und die Datenauswertung und -umwandlung schneller und günstiger werden.


Dieser Artikel wurde von pressetext.austria veröffentlicht und ist unter http://www.pressetext.com/news/20110803026 abrufbar.